Non-Stopp Deutschlandumrundung Etappentagebuch Juni

 


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64. Etappe / Pahlen – Friedrichstadt / 01.06.2010

64. Etappe / Pahlen – Friedrichstadt / 01.06.2010Die Norddeutsche Rundschau betitelt in ihrer heutigen Ausgabe meine Deutschlandumrundung: „Grenz-Projekt: Wanderer auf Sprach-Spuren… von Etappe zu Etappe trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen, erlebt die verschiedensten Sprachen und Mundarten – und spürt dabei auch den sprachlichen Grenzen nach. Im norddeutschen Raum ist es natürlich die plattdeutsche Sprache…“

Während meiner Mittagsrast auf dem Weg zwischen Pahlen und Friedrichstadt lockt ein Speiselokal mit den Worten: „Moin, Goot eten un trinken hoolt lief un seel tosoom. Kum rin un fihl di wohl.“ Dieser Aufforderung konnte ich nicht widerstehen.

Als mir allerdings später ein freundlicher Radfahrer etwas zuruft, was so klang wie „moineludewieoguudelomaduselom“ komme ich dann doch an die Grenze meines Sprachverstehens. Ich habe keine Ahnung was mir der nette Friese zurief, in jedem Fall klang sehr sympathisch.

64. Etappe / Pahlen – Friedrichstadt / 01.06.2010Nach viereinhalb Stunden habe ich über Erfde, Süderstapel und Drage mit Emma Friedrichstadt erreicht. Friedrichstadt wird als das Venedig des Nordens bezeichnet. Vor fast 400 Jahren erbauten niederländische Glaubensflüchtlinge die Stadt nach dem Vorbild von Amsterdam. Mit den schnurgeraden Grachten und der typisch holländischen Architektur schufen sie ein bis in die heutige Zeit erhaltenes städtebauliches Kleinod.

Im Westersielzug 8 habe ich bei Margarete Kahle eine Unterkunft gebucht. Die Kleine Residenz (www.kleine-residenz.com) liegt direkt an der Treene, die hinter Friedrichstadt in die Eider mündet. Die behagliche Wohlfühlatmosphäre lässt die Wanderstrapazen schnell vergessen. Margarete Kahle hat ein Stück Geborgenheit im hektischen Alltagsstress geschaffen. Hier ist man sofort zu Hause und kann ohne Probleme einen Gang zurückschalten. Schade dass ich Morgen mit Emma weiterziehe.

 

65. Etappe / Friedrichstadt – Mildstedt / 02.06.2010

65. Etappe / Friedrichstadt – Mildstedt / 02.06.2010Von Friedrichstadt wandere ich mit Emma zunächst Richtung Koldenbüttel. Die Bewohner von Koldenbüttel haben den Schafen ein Denkmal gesetzt. In der Nähe der alten Kirche, unmittelbar an meiner Wegstrecke steht seit 2001 ein aus Metamorphit gehauener Schafsbock. Eine Arbeit des Künstlers Lothar Frieling.

Später erfahre ich dass in Nordfriesland 160.000 Schafe leben, etwa so viele wie Nordfriesland Einwohner zählt. Die Schafe sind zum einen ein wichtiger landwirtschaftlicher Faktor zu anderen sind sie auch unersetzlich für den Schutz der Küste. Sie halten das Gras der Deiche kurz und stampfen mit ihren Hufen den Boden so fest, dass Maulwürfe und Mäuse kaum eine Chance haben, im Deich zu wühlen. Mit „goldenem Biss und goldenem Tritt“ sorgen sie dafür, dass die Küstenschutzlinie sturmflutsicher bleibt. Gerne hätte ich unterwegs die Nordfriesische Lammkönigin getroffen. Ich bin ja noch einige Tage in Nordfriesland unterwegs, vielleicht wird es mir gelingen sie aufzuspüren.

65. Etappe / Friedrichstadt – Mildstedt / 02.06.2010Vorbei an Moderswarft und Norddeich gelangen wir über Rantrum nach Mildstedt unserem heutigen Tagesziel. Fast menschenleer ist die Gegend am heutigen Tag. Dafür begegnen uns auf den großen Weideflächen viele Rinder und unendlich viele Schafe. Dazwischen immer wieder großflächige Rapsfelder. In der gleißenden Sonne präsentieren die Blüten ihre goldgelbe Farbe. Ich kann mich nicht satt sehen an diesem leuchtenden Gelb.

In Mildstedt bin ich mit Frenz Bertram verabredet. Frenz lernte ich vor einigen Jahren während eines Mundartsymposions kennen. Zu meinen Ehren hat er in seinem Garten die Nordfriesische Fahne gehisst. Gemeinsam mit seiner Frau Swantje sitzen wir am Abend im Garten und genießen die sommerlichen Temperaturen.

 

Ruhetag in Mildstedt / 03.06.2010

Ruhetag in Mildstedt / 03.06.2010Heimat is för mi dor, wo ik opwussen bin,
wo mien Wuddeln sik in de Grund fastsett hebben,
wo de Wuddeln deper sitten
as ik över de Bodden loop
un wo de Bööm
de de Wind hen in her stött,
mi verstahen,
wenn ik mit se snack.

Für Frenz Bertram sind Heimat und Sprache fest mit einander verwoben. Mit Frenz und seiner Frau Swantje verbringe ich einen Ruhetag in Mildstedt und Umgebung. Zunächst ein Abstecher zu Marianne Ehlers Elternhaus. Sie ist in dem kleinen Dorf Welt geboren. „Hier kannst Du in acht Minuten durch die alte Welt spazieren“, hatte sie mir versprochen. Und so ziehen wir durch die Welt. Marianne kennt jeden Stein und hat viele Geschichten zu erzählen.

Anschließend geht es nach Husum. Im malerischen alten Stadtkern ist Wochenmarkt. Sonne, blauer Himmel, viele bunte Stände und Straßenmusik, ich fühle mich fast wie in der Provence. An vielen Häusern zeigt ein Schild, dass hier der Dichter Theodor Storm einmal wohnte. Der Mann ist ziemlich oft umgezogen. Nach der Führung von Frenz essen wir in einem kleinen Hafenrestaurant das obligatorische Fischbrötchen. Die Schiffe liegen auf dem Trockenen, mal wieder hat sich das Meer zurückgezogen.

Am Spätnachmittag sitzen wir in Schwabstedt an der Treene und genießen das sommerliche Wetter. Frenz zeigt mir sein Geburtshaus im Schatten der alten Kirche. Emma genießt ebenfalls den freien Tag und lässt die vielen Streicheleinheiten artig über sich ergehen. Morgen wandern wir weiter Richtung Norden.

Ruhetag in Mildstedt / 03.06.2010

 

66. Etappe / Mildstedt – Arlauschleuse / 04.06.2010

66. Etappe / Mildstedt – Arlauschleuse / 04.06.2010Nach dem Frühstück entschließt sich Frenz spontan, mich von Mildstedt bis Husum durch seine Heimat zu begleiten. Der herzliche Abschied in Husum kommt viel zu plötzlich. Wir versprechen uns dass die Begegnung im hohen Norden nicht die Letzte war.

Hinter dem Hafenbecken darf Emma endlich mal vor dem Deich laufen. Kilometer für Kilometer wandern wir durchs Weideland der Schafe. Manche Schafe sind begeistert von Emma und rücken Emma dicht auf die Pelle. Es wird ein aufregender Morgen für Emma, vor allem wenn die Schafe plötzlich anfangen zu blöken.

66. Etappe / Mildstedt – Arlauschleuse / 04.06.2010Als ich am 20. Mai Manfred Ziegler aus Maikammer traf, erzählte hatte er mir von einem Freundschaftslauf der Leichtathleten aus Maikammer, die von der Pfalz nach Pellworm laufen wollten. Als ich in Schobüll das „Kirchlein am Meer“ fotografiere, sehe ich zwei Frauen, die in Begleitung eines Radfahrers Richtung Pellworm laufen. Leider kann ich nicht mit Rucksack hinterher joggen. Ich hätte mich gerne mit ihnen ausgetauscht.

Kurz darauf treffe ich Elke-Marie aus Meggerdorf. Sie ist im Norden, in der Nähe der Hamburger Hallig aufgewachsen und hat ihrem Onkel in Niebüll versprochen, zu seinem Geburtstag am kommenden Sonntag zu Fuß zu kommen. Elke-Marie, die rüstige Rentnerin trainiert für ihren großen Traum. Im kommenden Frühjahr will sie vom Rand der Pyrenäen in Südfrankreich auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella pilgern. Vor zwei Jahren musste sie ihr Unternehmen schon nach einigen Tagen abbrechen, zu groß waren die Schmerzen im Knie. Stolz zeigt sie mir ihren Pilgerausweis aus diesen Tagen. In Mildstedt hatte ihr das Pastorenehepaar Marion und Peer Munske zu einer Unterkunft verholfen und sie mit dem Pilgersegen in den heutigen Tag verabschiedet.

Bis zur Arlauschleuse wandern wir zusammen weiter und gönnen uns in der Nachmittagssonne einen Kaffee mit Streuselkuchen. Elke-Marie hat einen wunderbaren Satz von Michael Ende zum Motto ihrer Wanderung gemacht:

66. Etappe / Mildstedt – Arlauschleuse / 04.06.2010„Wir haben Augen, um das Licht zu sehen
und Ohren, um damit die Klänge zu hören
und wir haben ein Herz,
um damit die Zeit wahrzunehmen.
Und alle Zeit,
die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird,
ist so verloren
wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden.“

 

67. Etappe / Arlauschleuse – Schlüttsiel / 05.06.2010

67. Etappe / Arlauschleuse – Schlüttsiel / 05.06.2010Vom Gasthaus an der Arlauschleuse wandere ich entlang der Hattstedter Marsch Richtung Cecilienkoog, danach über den Lüttmoordamm zum Info-Pavillion des Nationalparks. Mal auf dem Deich, mal hinter dem Deich, mal vor dem Deich. Emma und ich nutzen jede Gelegenheit, um für Abwechslung zu sorgen.

Heute fange ich bereits sehr früh an Schafe zu zählen. Bis zum Horizont sehen wir grüne Wiesen und Deiche auf denen sich weiße Punkte bewegen. Immer geradeaus wandern wir Richtung Norden. Vom Amsinck-Haus könnte ich zur Hamburger Hallig wandern. Als ich allerdings lese, dass dort im Innenraum des Cafes keine Hunde erlaubt sind, ist die Sache gestorben.

Eine Gruppe kommt gerade von der Hallig zurück. Sie haben Rollen unter den Schuhen und putzige Entchen auf dem Helm. Die „ROLLING AELLINGE“ kommen aus Hamburg und wollen heute auf ihren rollenden Schuhen noch 75 Kilometer zurücklegen. Ich wandere mit Emma hinterher. Schon nach wenigen Minuten haben wir sie aus den Augen verloren.

67. Etappe / Arlauschleuse – Schlüttsiel / 05.06.2010Für Emma wird es spannend als vor uns eine sechsköpfige Hasenbande in der Sonne herumtollt. Frenz wäre begeistert, er liebt Hoppelhasen. Emma hat schnell den Geruch der Hasenfamilie in der Nase. Der Wind steht günstig, wir kommen nah an sie heran. Als sie uns bemerken stieben sie in alle Richtungen. Ich kann Emma kaum an der Leine halten.

Anschließend heißt es wieder Schafe zählen und immer geradeaus Richtung Norden. Vorbei an Ockholm erreichen wir unser Ziel Schlüttsiel. Am Hafenbecken stehen über 10 Reisebusse und weit über 100 PKW. Auf den Halligen herrscht heute Hochbetrieb. Wir haben eine ruhige Unterkunft in der Nähe gefunden und entschwinden dem Lärm der Touristen.

 

68. Etappe / Schlüttsiel – Klanxbüll / 06.06.2010

Ein heißer Tag erwartet Emma und mich. Siebenundzwanzig Kilometer auf Asphalt. Großflächige Rapsfelder im satten Grün sorgen für Abwechslung im Landschaftsbild. Dazu kommen unzählige Windräder, mal ganz in Grau, mal mit roten Rändern. Und überall wo ich hinsehe: Schafe. In den letzten Tagen kam es mir als habe ich über 1.000.000 Stück gesehen.

68. Etappe / Schlüttsiel – Klanxbüll / 06.06.2010Die Orte, die wir passieren haben wundersame Namen, Osewoldterkoog, Galmsbüllkoog oder Hoddebülldeich. In Dagebüll machen wir unsere erste Rast am Hafen. Hier fahren die Fähren nach Amrum und Föhr. Ich bin mit Emma hoch im Norden. Noch ein Wandertag und wir werden uns an der nördlichsten Stelle Deutschlands befinden. Dafür müssen wir erst einmal bis Klanxbüll wandern. Ein Liedtext von Udo Lindenberg fällt mir ein: „Hoch im Norden“.

„Hoch im Norden, hinter den Deichen bin ich geboren.
Immer nur Wasser, ganz viele Fische,
Mövengeschrei und Meeresrauschen in meinen Ohren.
Und mein Vater war Schipper, der fluchte wenn Sturm war,
dann konnt’ er nicht raus auf See.
Dann ging er zu Herrn Hansen, der Chef vom Leuchtturm war.
Und der sagte: keine Panik auf der Titanic,
jetzt trinken wir erst mal einen Rum mit Tee.“

68. Etappe / Schlüttsiel – Klanxbüll / 06.06.2010In den letzten Tagen habe ich viel von diesem Leben hinter und vor den Deichen mitbekommen. Es wundert mich, dass Udo Lindenberg die Schafe in seinem Text nicht erwähnt hat. Aber auch ohne Schafe ist es ein gutes Lied.

Klanxbüll erreiche ich mit Emma nach sieben Stunden. Wir sind beide total kaputt und wollen nur noch trinken und schlafen. Morgen werde ich mit ihr ausspannen und keinen Text fürs Webtagebuch schreiben. Morgen wird in aller Ruhe hoch im Norden mein Geburtstag gefeiert. Allen Webtagebuchlesern schenke ich dazu mein schönstes „Schafsbild.“ Alle dann, morje wärd nix geschaffd. Morje wärd gelebd.

 

69. Etappe / Klanxbüll – Sylt – Klanxbüll / 08.06.2010

Von Klanxbüll aus werde ich mich heute mit Emma zur nördlichsten Stelle aufmachen. Da Sylt zu Fuß nicht zu erreichen ist, besteigen wir gemeinsam in Klanxbüll den Zug, und fahren über den Hindenburgdamm, der das Festland mit der Insel verbindet nach Westerland.

69. Etappe / Klanxbüll – Sylt – Klanxbüll / 08.06.2010Geografisch gesehen liegt die nördlichste Landstelle Deutschlands auf dem „Ellenbogen“ nordöstlich des Leuchtturms List West. Der Ellenbogen, eine schmale, lang gestreckte Halbinsel der Insel Sylt befindet sich nördlich von List, der nördlichsten Ortschaft Deutschlands. Das gesamte Gebiet des Ellenbogens ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Mal laufen wir in der Nähe des Wassers, mal durch Dünen. Emma kann sich im warmen Sand mal wieder so richtig austoben. Sie ist wie aufgedreht. Mit dem Nordseewasser macht sie während unserer Wanderung auch Bekanntschaft: das salzhaltige Wasser schmeckt ihr nicht. Auch die Wellen die ans Land rollen behagen ihr gar nicht. Emma geht nur im Notfall mit ihren Füßen ins Wasser.

69. Etappe / Klanxbüll – Sylt – Klanxbüll / 08.06.2010Als wir am Leuchtturm List-West ankommen, hat eine kleine Gruppe von Fotografen den Leuchtturm fest im Visier. Ich komme mit Gérard Essaka ins Gespräch. Er ist Fotograf für Künstlerische Fotografie in München (www.essaka-photographie.de). Die Gruppe aus München ist für eine Woche auf Sylt auf Motivsuche.

Ich bin mit Emma am Ziel. Nach dem westlichsten Punkt in der Gemeinde Selfkant an der holländischen Grenze, und der tiefsten Landstelle nordwestlich von Wilster in Neuendorf-Sachsenbande haben wir nun den nördlichsten Zipfel Deutschlands erreicht. Weit in der Ferne sehe ich das Festland von Dänemark. Die deutsch-dänische Grenze ist morgen unser Ziel. Morgen heißt es Abschied nehmen von der Nordsee mit ihren vielen Deichen und den unzähligen Schafen.

 

70. Etappe / Klanxbüll – Rosenkranz / 09.06.2010

70. Etappe / Klanxbüll – Rosenkranz / 09.06.2010In Klanxbüll erkundige ich mich nach Übernachtungsmöglichkeiten an der deutsch-dänischen Grenze. Es wird schwierig. Es gibt nur wenige Hotels, Gasthäuser oder Pensionen, die in der Nähe der Grenze liegen. In der Broschüre „Essenwertes rund um Seebüll“ finde ich das Gasthaus „Alter Deutscher Grenzkrug“ in Rosenkranz. Es liegt unmittelbar an der Grenze. In alten Zeiten war der Schlagbaum direkt an der Hauswand befestigt. Wenn die Gäste den vorderen Eingang benutzten waren sie noch in Deutschland, verließen sie das Haus durch den Hinterausgang befanden sie sich bereits in Dänemark. Silvia Brodersen, die Chefin des Grenzkruges weiß viele Grenzgeschichten zu erzählen.

Zwischen Neukirchen und Rosenkranz scheint der Norden immer „flacher“ zu werden. Eine unglaubliche Weite erstreckt sich vor Emma und mir. Ich habe das Gefühl am Horizont die Erdkrümmung erkennen zu können. Das Land scheint nach hinten ins Meer zu kippen.

In dieser Abgeschiedenheit des Nordens lebte der Maler Emil Nolde über Jahrzehnte. Das nach ihm benannte Museum möchte ich über den Noldeweg morgen besuchen. Nolde bezeichnete einst den Grenzort Rosenkranz mit seinen „kleinen Häusern gereiht wie Perlen an einer Gebetsschnur“ als das schönste Dorf des Friesenlandes.

70. Etappe / Klanxbüll – Rosenkranz / 09.06.2010Hinter Neukirchen treffe ich Peter Hansen. Wir kommen ins Gespräch. Peter Hansen war über 30 Jahre Hausmeister im Nolde -Museum und beginnt zu erzählen. Nolde habe immer erzählt, dass er sich freuen würde, wenn einmal in dieser Einöde ein einsamer Wanderer vorbeikäme. Jetzt ist es so weit, morgen werde ich da sein, schade dass Emil Nolde es nicht mehr erlebt.

Nach dem Abendessen unternehme ich mit Emma einen kleinen Spaziergang nach Dänemark. Am Ruttebüller See zwei einsame Angler in pastellfarbener Abendstimmung. Ich kann mich kaum satt sehen an diesem stimmungsvollen Bild.

 

71. Etappe / Rosenkranz – Ladelund / 10.06.2010

„Gleich einem Märchen war die Heimat mir,
das Elternheim im flachen Land, mein Land,
darüberhin die tausend Lerchen jubelnd
auf- und niederschwebend,
mein Wunderland von Meer zu Meer…“

Mit diesen Worten beschrieb Emil Nolde seine Heimat. Dort, wo sich das Königreich Dänemark und der Norden Deutschlands berühren liegt in der Marschlandschaft die Warft Seebüll. Hier lebte und arbeitete der Maler Emil Nolde, umgeben von einem zauberhaften Blumengarten, von 1927 bis zu seinem Tod. Er gehört zu den führenden Expressionisten des 20. Jahrhunderts.

Nach Ada und Emil Noldes Testament:
„…. soll in unserem kleinen Gewese in ländlicher einfacher Natur der suchende Wanderer eine besondere Stätte finden, wo ihm das Glück und künstlerisch-geistige Erholung gegeben wird.“

Heute hat ein suchender Wanderer mit Beagle das kleine „Gewese“ der Noldes besucht und sichtbare Spuren hinterlassen. Als wir nach einem Milchkaffee das Cafe in der Nolde-Stiftung wieder verlassen, hat sich eine kleine Pfütze unter unserem Platz gebildet. Überall darf Emma mit, nur die Ausstellungsräume bleiben ihr verschlossen. Also behelfe ich mir mit zwei wunderscherschönen Postkartenmotiven aus Emil Noldes Sammlung: Eine bunte Tänzerin und ein Motiv des Landes zwischen den Meeren.

71. Etappe / Rosenkranz – Ladelund / 10.06.2010

Nach etlichen Stunden heftigen Landregens erreichen wir wie zwei begossene Pudel unser Quartier in Ladelund. Jenny Nissen versorgt uns liebevoll, sie frottiert Emma ab, kümmert sich um meine triefende Wanderbekleidung und lädt mich zum gemeinsamen Abendessen ein.

Von Jenny Nissen erfahre ich, dass hier einst eine Außenkommandostelle des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme war. Nachdem der Regen am Nachmittag nachlässt, besuche ich mit Emma die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund. Am ehemaligen Lagergelände erinnert eine Stahlskulptur an die Opfer des Nationalsozialismus. Die bedrückende Atmosphäre des Geländes überträgt sich auf meine Stimmung. Zum Glück kann ich den Abend bei einer köstlichen Kartoffelsuppe mit Familie Nissen verbringen. Die hier gelebte Gastfreundschaft bringt mich schnell auf andere Gedanken.

 

72. Etappe / Ladelund – Wallsbüll / 11.06.2010

72. Etappe / Ladelund – Wallsbüll / 11.06.2010Der Regen hat nachgelassen. Tief liegende Wolkenfelder treiben über uns hinweg. Das Bild der Landschaft verändert sich. Die Deiche, die in den letzten Wochen das Landschaftsbild prägten sind nun gänzlich verschwunden. Ebenso die Schafe. Ich glaube wir vermissen sie. Es wird leise auf dem Weg Richtung Ostsee. Nur der Kuckuck, dessen Ruf mich seit Wochen begleitet, ist auch heute zu hören.

Heckenrosen am Wegesrand verströmen ihren süßen Duft während ich mit Emma zwischen den Dörfern Medelby und Osterby durch leicht hügeliges Gelände wandere. Die grünen Weiden haben nun wieder die Kühe übernommen. Die Mais- und Getreidefelder sind durch Buschwerk und Baumbestände stark parzelliert. Sie lassen keinen freien Blick mehr zu.

72. Etappe / Ladelund – Wallsbüll / 11.06.2010Zum ersten Mal, seit ich vor zwölf Wochen mit Emma am Weltkulturerbe Völklinger Hütte gestartet bin, treffen wir weder einen Hund, eine Katze oder einen Menschen. Die Furcht vor neuen Regengüssen und die menschenleere Strecke lassen uns gut voran kommen. Morgen werden wir das Land zwischen den Meeren durchwandert haben. Ob an der Ostsee auch das lang gezogene Mäh der Schafe zu hören sein wird? Wir lassen uns überraschen. Beim Einschlafen glaube ich es zu hören: Määääähh, Määääähh, Määääähh…

HEIMAT:
Heimat ist dort,
wo man sich geborgen und verstanden fühlt.
Am besten verstehen uns die,
die uns lieben,
die die Sprache unseres Herzens sprechen.
Liebe überwindet Grenzen
und leitet unsere Schritte,
wo auch immer Heimat ist.

Josiane

 

73. Etappe / Wallsbüll – Flensburg / 12.06.2010

Mit kräftigem Westwind im Rücken kommen wir gut voran. Emma tobt sich auf den menschenleeren kleinen Feldwegen aus. Hinter Wallsbüll treffe ich zwei Männer. Einer im Auto sitzend, der andere mit seinem Fahrrad daneben stehend, schnacken sie miteinander. „Na, wo willst du denn mit deinem großen Koffer auf dem Rücken hin?“ werde ich durch die geöffnete Autofensterscheibe angesprochen. Ich erzähle ihm wo ich herkomme und wo ich hin will. Ungläubiges Kopfschütteln.

73. Etappe / Wallsbüll – Flensburg / 12.06.2010Johannes Lorentzen (81), betreibt in Wallsbüttelfeld den Heidehof, Hake Harksen (68), im gleichen Dorf den Planhof. Sie reden plattdeutsch miteinander. Ich verstehe einiges, allerdings nicht alles. Mit dänischen Kollegen sprechen sie „Kartoffeldänisch“. Es bleibt das Geheimnis von Johannes und Hake, was es genau bedeutet. Beim Abschied wünschen sie mir Gesundheit und eine gute Wanderung.

Einige Kilometer vor Flensburg liegt der Naturerlebnisraum Stiftungsland Schäferhaus. Emma und ich machen einen kleinen Abstecher durch diese steppenartige Landschaft in der polnische Wildpferde, die Koniks, ausgewildert werden. Von einer kleinen Aussichtsplattform entdecke ich einige in der Ferne. Hier kreuzen wir die Pilgerroute des Ochsenweges, der über zweihundert Kilometer von dänischen Vejen ins schleswig-holsteinische Rendsburg führt. Kurz vor Flensburg durchqueren wir endlich wieder ein Waldstück mir schattigen Wegen und intensivem Vogelgezwitscher. Hier spüre ich zum ersten Mal deutlich was ich vermisst habe, seit ich im Saarland vor 12 Wochen gestartet bin. Das Spazieren und Wandern durch ausgedehnte Waldpassagen.

73. Etappe / Wallsbüll – Flensburg / 12.06.2010

Die Stadt erreichen wir am Hafen. Fliegende Händler bieten ihre Waren an, auf einer Bühne finden die ersten Proben für ein nächtliches Spektakel statt. Wir ziehen uns in den hinteren Teil des Hafens zurück und bestaunen alte Segelschiffe. Der innerste Winkel der 35 Kilometer von der Ostsee ins Land hineinreichenden Flensburger Förde wird seit über 800 Jahren als geschützter Natur-Hafen genutzt. Ich bin an der anderen Seite von Schleswig-Holstein angekommen. Ob ich morgen mit Emma bereits die Ostsee sehe?

 

74. Etappe / Flensburg – Langballigau / 13.06.2010

Die Stadt scheint noch zu schlafen, als wir am frühen morgen über die Trasse des Ostsee-Radweges Flensburg verlassen. Lediglich im Yachthafen herrscht geschäftiges Treiben, die Seglerinnen und Segler eilen aus ihren Booten ins aufgestellte Zelt zum Frühstück.

74. Etappe / Flensburg – Langballigau / 13.06.2010Außerhalb der Stadt kommen wir an einem großen, grauen Gebäude vorbei: Das Kraftfahrt –Bundesamt. Hier werden also die Punkte aller Straßenverkehrssünder zusammengetragen. In diesem Jahr werden von mir wohl keine ins Register eingetragen. Aber auch als Fußgänger kann ich Punkte sammeln, oder?

Emma muss sich darum keine Sorgen machen. Als wir den ersten Sandstrand an der Förde erreicht haben ist Emma nicht mehr zu halten. Sie rast wie eine Irre durch den weichen Sand, und zeigt mir deutlich wie wohl sie sich fühlt.

Auf dem Weg nach Glückburg durchwandern wir eine längere Waldpassage. Hier begegnen wir drei Wanderern, die mich freundlich nach meinem Weg fragen. Emma und mein schwerer Rucksack haben sie neugierig gemacht. Mit in der Gruppe: Bernhard Petersen, Volksschauspieler an der niederdeutschen Bühne in Flensburg. Heute Abend steht er zum dreiundneunzigsten Mal im Stück „Baarfoot bid an Hals“ auf der Bühne. Das Saarland kennt er von einigen Volkwanderungen.

Glückburg erreichen wir zur Mittagszeit. Nach kurzer Rast wandern wir weiter an der Förde. Das Wasser schwappt mit leichten Wellen an die Ufersteine, über uns Möwengeschrei. Wir können unmittelbar am Wasser wandern. Keine Deiche versperren uns die Aussicht. Auf dem Wasser suchen unzählige Segelboote den richtigen Weg durch den Wind, der kräftig von Norden bläst.

74. Etappe / Flensburg – Langballigau / 13.06.2010Auf dem gegenüberliegenden Ufer sind die dänischen Förde-Ortschaften gut auszumachen. An diesem Nachmittag macht mein Handy irgendwann schlapp. Ich hatte vergessen es in der Nacht zu laden. Wir haben noch kein Nachtquartier. Gegen 16.30 Uhr erreichen wir Langballigau. In der Hafenmeisterei treffe ich Leni und Wolfgang, die hier ihren Dienst verrichten. Die beiden beginnen zu telefonieren und nach kurzer Zeit mache ich mich mit Emma auf zum Hotelzimmer. Wir sind beide geschafft.

 

75. Etappe / Langballigau – Hunhoi / 14.06.2010

In der Strand-Oase in Langballigau gibt’s am frühen Morgen frischen Kaffee und knusprige Brötchen. Ein guter Start in den Tag. Schwül-warme Luft drückt in die Flensburger Förde. Auf dem Weg nach Westerholz müssen wir leicht nach oben, schweiß rinnt mir von der Stirn. Nach sieben Kilometern haben wir Neukirchen erreicht. Montags wandern heißt wenig Menschen treffen, montags bin ich mit Emma oft allein unterwegs. So auch heute.

75. Etappe / Langballigau – Hunhoi / 14.06.2010In der Bucht von Habernis kommt uns plötzlich ein großer schwarzer Hund entgegengelaufen. Also Emma von der Leine und hoffen, dass der fremde Hund friedlich ist. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Emma und Lotta toben am Wasser. Herrchen und Frauchen sind auch mit dabei. Sie heißen Jutta und Rainer und wohnen seit einiger Zeit in dem kleinen Dorf Quern. An ihrer Sprache höre ich, dass sie nicht an der Förde aufgewachsen sind.

Sie beginnen zu erzählen. Sie haben ihr Haus in Hennef bei Bonn verkauft, um hier völlig neu anzufangen. Einfach mal was Neues wagen, strahlt Rainer. Nach kurzer Zeit sitze ich samt Rucksack und Emma in ihrem Auto: Zweites Frühstück in Quern. Das Frühstück dauert etwas länger. Wir haben uns viel zu erzählen. Rainer bringt mich später zurück zur Bucht. Ich muss weiter. Emma und ich machen anschließend einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Förde. Wir kommen im tiefen Sand nur langsam voran und müssen über viele Steine klettern. Fußreflexzonenmassage für die Füße, ganz kostenlos. Ich genieße den Montagnachmittag von atemberaubender Stille.

75. Etappe / Langballigau – Hunhoi / 14.06.2010Die vielen, bunten Steine im Wasser scheinen wie hingepinselt, Meerbilder die sich täglich verändern. Immer wieder bleibe ich an der Meeresgalerie stehen, um diese Naturbilder zu bewundern. Kein Mensch ist direkt am Wasser unterwegs. Die leichten Meereswellen, die seicht am Ufer abrollen sind kaum hörbar. Nur selten schreit eine Möwe. Emma genießt vor allem ihre Freiheit, Laufen, Schnüffeln, Toben, was will ein Hund mehr?

Hinter uns braut sich ein Unwetter zusammen. Die Flensburger Bucht ist eingetaucht in dunkelblau-violette Farben. Über Steinberghaff erreichen wir unsere Unterkunft das Café Seeblick in Hunhoi. Der warme Apfelkuchen und die Tasse Milchkaffee im Strandkorb schmecken traumhaft. Heute Abend wollen Jutta und Rainer zum Abendessen vorbeikommen. Ich freu’ mich schon drauf.

 

76. Etappe / Hunhoi - Falshöft / 15.06.2010

76. Etappe / Hunhoi - Falshöft / 15.06.2010Im Café Seeblick (www.hunhoi.de) direkt an der Geltinger Bucht bin ich mit Emma bestens aufgehoben. Das reetgedeckte, historische Fachwerkhaus in Hunhoi (Hundehöhe) das 1833 gebaut wurde, steht nur wenige Meter von der Flensburger Außenförde. Hier würden wir gerne länger bleiben.

Jutta und Rainer, die ich gestern in der Bucht von Habernis kennen lernte, hatten sich beim Abendessen spontan entschlossen, mich ein Stück auf meinem Weg rund um Deutschland zu begleiten. Lotta und Emma freuen sich, die beiden Vierbeiner werden den ganzen Tag gemeinsam herumtollen können.

76. Etappe / Hunhoi - Falshöft / 15.06.2010Am frühen Morgen zeigt das Außenthermometer gerade Mal fünf Grad an. Der aufgefrischte Wind vom Meer lässt mich frösteln. Unser Weg führt uns vorbei am Yachthafen von Gelting und weiter entlang der Küste Richtung Geltinger Noor, einer in der Eiszeit entstandenen Einkerbung ins Festland. Unser Wanderweg führt uns zur Spitze der so genannten Geltinger Birk, eines Naturschutzgebietes am Übergang zur Außenförde ins offene Meer. Mit 773 ha ist es das größte Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins. Dünen und Sand, Salzwiesen und verlandete Schilfsümpfe, kleine Eichenwälder, das brackige Geltinger Noor sowie ausgedehnte Seegraswiesen sorgen für eine außergewöhnliche Wanderung entlang der Außenförde. Unsere Augen können sich kaum satt sehen. Auf dem Wasser erscheinen die ersten größeren Schoner. In wenigen Tagen beginnt an der Ostsee die Kieler Woche.

Am Leuchtturm in Falshöft endet unsere gemeinsame Tour. Das alte Fischerdorf vermittelt sommerliche Atmosphäre. Leckerer Kuchen, in der traumhaften Kulisse des Bauernhaus-Cafes Lichhof serviert, rundet unser gemeinsames Erlebnis ab. Beim Abschied versprechen wir uns wieder zu sehen.

 

77. Etappe / Falshöft – Maasholm / 16.06.2010

77. Etappe / Falshöft – Maasholm / 16.06.2010Am Straßenrand in Pommerby steht ein kleiner Tisch mit samtweicher Tischdecke. Darauf stehen selbst gemachte Konfitüren und Gelees. Eine Sorte macht mich neugierig: Löwenzahnblütengelee. Seit ich das Saarland vor einigen Wochen verlassen habe, habe ich keinen Menschen oder Gastronomen getroffen, der sich für Löwenzahn interessierte. Ich komme mit der „Marmeladenfrau“ und ihrem Mann in Gespräch. Sie bieten mir und Emma ein Glas Wasser an. Kurz darauf sitzen wir in ihrem wunderschönen Garten und ich erzähle ihnen, was man im Saarland alles mit „Bettsächer“ (hochdeutsch: Löwenzahn) anstellen kann. Beim Abschied verspricht mir Gisela Renner ein kleines Marmeladensortiment ins Saarland zu schicken.

Der Strand füllt sich mit sonnenhungrigen Gästen. Die ersten mutigen Badegäste springen lauthals ins kalte Wasser. Mal laufen wir direkt am Ufer, mal oberhalb vom Strand auf der schmalen Radtrasse und wieder nahe am Wasser. Ein abwechslungsreicher Wandertag, der nie langweilig wird. Die langsam im Wind fahrenden Segelboote verändern ständig das Bild.

Kurz vor der Schleimünde müssen wir das Ostseeufer verlassen. Hier an der Schleimünde befindet sich ein ausgedehntes Seevogelschutzgebiet. Im Herbst und im Frühjahr sind die Wiesen Rastplatz für viele Zugvögel. In einer kleinen Hütte informiere ich mich über das vielgestaltige Landschaftsbild, die Windwatten und Salzwiesen sowie die vielen hier lebenden Vogelarten. Emma nutzt mein Interesse für eine weitere ausgedehnte Pause im Schatten der Hütte.

77. Etappe / Falshöft – Maasholm / 16.06.2010

Die Maste der Boote im Hafen von Maasholm bereits in Sichtweite, begegne ich Gisela und Joachim Petersen. Mein schwerer Rucksack hat sie neugierig gemacht. Gisela und Joachim sind Pressefotografen und dokumentieren im Internet die Arbeit der Atomkraftgegner (www.subkontur.de). Gerne hätte ich mich länger mit ihnen unterhalten. Ich muss weiter. Im Hafen von Maasholm werde ich bereits mit Emma erwartet.

 

Unterwegs an der Schlei / 17.06.2010

Unterwegs an der Schlei / 17.06.2010Mein langer gestriger Wandertag mit Emma endete in Maasholm bei Michaela und ihrem Hund Krümel-Lotta. Wir haben uns vergangenes Jahr im Schwarzwald kennen gelernt. Als ich ihr von meinem Vorhaben erzählte, Deutschland zu umrunden, hatte sie mich spontan eingeladen. Sie ist in Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Meeren, aufgewachsen. In den nächsten drei Tagen wird sie mir ihre Heimat zeigen.

Oberhalb von Maasholm beginnt ein 35 Kilometer langer Meeresarm der Ostsee: die Schlei. Verträumte Buchten und Ortschaften machen die Landschaft zwischen Schlei und Ostsee zu einem einmaligen Naturerlebnis.

Unterwegs an der Schlei / 17.06.2010Mit rund 350 Einwohnern ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands. Arnis besteht im Wesentlichen aus der „Langen Straße“, einer von Linden besäumten Straße, die sich fast über die gesamte Länge der Stadt erstreckt. Die eng aneinander gereihten Häuser bestehen zum Teil aus Fachwerkbauten. Die Vorbauten, die so genannten „Utluchten“ prägen das Bild der Straße ebenso. Mittendrin ein kleiner Kunstladen mit üblichen Motiven der Region. Daneben Bilder mit seltsamen Zeichen und Schriften, die meine Neugier wecken. Das Atelier „Kunst in Arnis“ gehört Brigitte Wollert (www.kunst-in-arnis.de). Brigitte Wollert erzählt begeistert von ihren Jahren in China wo sie fünf Jahre gelebt, um dort die Kunst der chinesischen Malerei zu lernen. Ein Bild besteht in China aus drei Komponenten: dem Objekt das gemalt wird, einem handgemalten Stempel und kalligrafischen Schriftzeichen.

Am Nachmittag wirft das Sonnenlicht einzigartige Glitzerpunkte auf das Wasser der Schlei, darüber ziehen Segelboote wie hingemalt. Postkartenidyll.

Nur wenige Kilometer von Arnis liegt direkt am Ufer der Schlei das schönste Dorf an der Schlei: Sieseby. Die alten Fachwerkhäuser sind allesamt mit Reet gedeckt und versetzen den Betrachter in eine andere Welt. Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die herzogliche Familie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg das Schleidorf für 615.000 Reichstaler von dem Kaufmann Gustav Anton Schäfer. Dieser hatte das Dorf zuvor grundlegend saniert.

 

Unterwegs an der Schlei / 18.06.2010

Der vielleicht schönste Ort an der Schlei ist der Schleswiger Holm. Die Anfänge dieser kleinen Fischersiedlung reichen über tausend Jahre zurück. Der Holm liegt nur wenige Schritte entfernt von der Altstadt Schleswigs und vom Stadthafen. Die Gärten einiger Häuser reichen bis zum Ufer der Schlei. Von dort konnten die Schleifischer direkt zu ihren Fanggebieten aufbrechen.

Unterwegs an der Schlei / 18.06.2010Über schmale Pfade entlang kleiner aneinander gereihter Fischerhäuser gelangt man an einigen Stellen direkt ans Wasser der Schlei. An diesem Morgen waschen junge Männer Netze aus, mit denen in der Schlei noch Aale gefangen werden. Hier treffe ich den siebzigjährigen Adolf Nanz, dessen Familie seit dem 15. Jahrhundert in der Fischerei tätig ist. Seine Vorfahren stammen aus dem französischen Nantes. Infolge der Hugenottenvertreibung fanden sie hier eine Bleibe. Adolf Nanz erzählt von seinem Leben, der Familie und dem Fischfang. Er zeigt mir ein Foto: Er beim Fischen, in seinem Fischerboot sitzend, umgeben von Wasser und Möwen. Eine tolle Aufnahme. Sie stammt von Thomas Raupach (www.thomas-raupach.de) aus Hamburg, der das Foto bei einem europäischen Wettbewerbs für Fotografen eingereicht hat.

Umgeben von den Häusern der Fischer ist der Friedhof mit Kapelle der zentrale Teil des Holms. Holm ist berühmt für seine Totengilde, die „Holmer Beliebung“, deren Mitglieder auf dem eigenen Friedhof kostenfrei bestattet werden konnten. Die Gilde wurde 1650 nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründet, um sich in schweren Zeiten gegenseitig zu helfen. Noch immer findet hier jährlich am zweiten Sonntag nach Pfingsten eine „Beliebungsfeier“ statt. Zu diesem Anlass ziehen die Mitglieder der Gilde festlich bekleidet mit Zylinder auf dem Kopf durch den Holm.

Unterwegs an der Schlei / 18.06.2010Etwas außerhalb von Schleswig steht das Wikinger Museum Haithabu. Es ist eines der bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands. Ibrahim ibn Ahmed At-Tartuschi schreibt um 995 n. Chr.: „HAITHABU IST EINE SEHR GROSSE STADT AM ÄUSSERSTEN ENDE DES WELTMEERES“. Vom 9. bis 11. Jahrhundert, war diese mittelalterliche Stadt eines der wichtigsten Handelszentren Nordeuropas. Im Museum und im Freigelände mit rekonstruierten Wikingerhäusern kann man sich mit allen Sinnen in die Welt der Wikinger zurückversetzen.

 

Unterwegs an der Schlei / 19.06.2010

Auch der dritte Tag an der Schlei dient in erster Linie der Erholung. Während eines ausgedehnten Spaziergangs toben Emma und Krümel-Lotta, der Hund von Michaela, durch den weichen Strand. Stöckchen suchen, Stöckchen werfen und Stöckchen vergraben. Emma kann nicht genug davon bekommen.

Unterwegs an der Schlei / 19.06.2010

Am Nachmittag steht ein Besuch von Eckernförde auf dem Programm. Nach fünf Jahren kehrt die Eröffnungsregatta der Kieler Woche nach Eckernförde zurück. Über 120 Jachten sind morgens in Kiel zum „Welcome-Race“ gestartet. Es ist ein imposantes Schauspiel, als die Yachten vor dem Hafen auftauchen. Das schlechte Wetter und der Wind, der ordentlich aufgefrischt hat, lässt die Teams an Bord harte Arbeit leisten.

Unterwegs an der Schlei / 19.06.2010Die Hafenmeile ist zu einer großen Feiermeile umfunktioniert worden. Ein besonderer Höhepunkt ist die Street-Jazz-Parade. Vier Bands ziehen durch die Innenstadt und spielen an markanten Punkten auf. Auf der Festmeile beginne ich plötzlich zu schnüffeln. Es ist der vertraute Geruch saarländischer Rostwurstbuden. Den großen Schwenker bedeckt mit roten und weißen Würsten habe ich schnell gefunden. Mir läuft augenblicklich das Wasser im Mund zusammen. Heimatgefühle im hohen Norden Deutschlands. Die Rostwurst mit Brötchen schmeckt ausgezeichnet.

Im Hafen sind inzwischen auch die letzten Teams eingetroffen. Es herrscht geschäftiges Treiben und Feierlaune auf den Segelyachten. Ein Schauspiel das ich so noch nicht erlebt habe. Die traditionsreiche Kieler Woche erwartet in den nächsten Tagen bis zu drei Millionen Besucher. Einer davon werde ich sei, wenn ich in den kommenden Tagen von Eckernförde nach Kiel unterwegs sein werde. Morgen werde ich meinen Rucksack packen und in Maasholm weiterwandern.

 

78. Etappe / Maasholm – Karby / 20.06.2010

Vor genau drei Monaten, am 20. März 2010, bin ich am Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Saarland zu meiner Non-Stop-Zu-Fuß-Deutschlandumrundung gestartet. Seitdem habe ich 1940 Kilometer mit Emma zurückgelegt.

Heutiger Startpunkt ist der Hafen in Maasholm an der Schleimünde. Wir umwandern das Wormshöfer Noor um wieder an die Schlei zurück zu kommen. Wald- und Felspassagen wechseln sich ab. Plötzlich, auf dem Weg nach Kappeln, hören wir Hundegebell hinter uns. Ein kleiner, wuseliger Vierbeiner macht Emma schier verrückt. Es ist Cäthe, wie ich am Halsband erkenne. Cäthe folgt uns einige Kilometer. Schließlich rufe ich die Nummer am Halsband an. Juliane Volkerts, die Tochter von Cäthes Frauchen, wird beauftragt Cäthe wieder abzuholen.

78. Etappe / Maasholm – Karby / 20.06.2010In Kappeln herrscht Volksfeststimmung. Zur Mittagszeit ist Siegerehrung des heutigen Stadtlaufs. Wir wollen weiter. Hinter Kappeln verlassen wir die Schlei um quer durchs Land zur Ostsee zu wandern. Als wir den Weidefelder Strand erreichen, zieht ein Unwetter auf. Wir schaffen es gerade noch einen Unterstellplatz zu finden. Nach dem Regen hat es abgekühlt. Für Emma eine Wohltat.

In Schönhagen gönne ich mir einen Kaffee, im Strandkorb sitzend mit Blick über die Ostsee. Zeit zum träumen. Der Kiosk „Fischbiß “ wird von Ciftci Imdat betrieben. 1969 kam er mit seinen Eltern von Anatolien nach Deutschland. Über Köln, Weinheim an der Bergstraße, Düsseldorf und Sylt fand der gelernte Koch schließlich an der Ostsee eine neue Heimat. Nach der Saison will er seine alte Heimat besuchen und für einige Monate kreuz und quer durch die Türkei bis zur iranischen Grenze reisen.

78. Etappe / Maasholm – Karby / 20.06.2010Wir haben noch einige Kilometer zu laufen. Auf dem Weg nach Karby treffen wir Liselotte Steensen-Feddersen mit ihrem Sohn im Garten. Die Achtzigjährige strahlt eine ungeheuere Lebensfreude aus. Ihren Mann Friedrich hatte sie vor vielen Jahrzehnten auf der Koppel kennen gelernt. Die Ländereien ihres Vaters und die die ihres Mannes grenzten aneinander. Wenn Liselotte aus der Haustür kommt, schweift ihr Blick über ihre Felder, die bis zur Ostsee reichen. Seit einigen Jahren arbeitet sie die Geschichte Schönhagens auf. Ihre über 300seitige, handgeschriebene Ortschronik ihrer Heimatgemeinde wird im kommendem Jahr erscheinen.

Die Uhr tickt. Wir sind immer noch nicht am Ziel. Bis Karby ist es noch ein Stück. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir das Gasthaus Nüser in der Eckernförder Straße. Nach dem Duschen werden Emma und ich im Restaurant kulinarisch verwöhnt. Ein krönender Abschluss einer langen, ereignisreichen Wanderung.

 

79. Etappe / Karby – Waabs / 21.06.2010

79. Etappe / Karby – Waabs / 21.06.2010Sonnenschein, blauer Himmel und einige Schönwetterwolken. Mit diesem Bild starte ich mit Emma am frühen Morgen zur Wanderung. Wir sind noch keine fünfhundert Meter gelaufen, als ein voll bepacktes Fahrrad neben uns hält. Harald Möllenbeck aus Haselau Kreis Pinneberg bei Hamburg ist auf der Heimreise. Der inzwischen Zweiundsiebzigjährige ist jedes Jahr für einige Wochen mit dem Fahrrad unterwegs, um die Welt zu sehen. Diesmal ging die Reise zur polnischen Grenze, dann weiter durch Mecklenburg-Vorpommern Richtung Malmö und Kopenhagen. 1500 Kilometer zeigt sein Kilometerzähler. „Wo kommst Du denn her mit deinem schweren Rucksack“, will er wissen. 1958 war er im Saarland und wohnte in Saarbrücken-Burbach. Damals haben die Saarländer, so schmunzelt er, noch mit alten Franc bezahlt. Als er ein Jahr später wieder kam war die Grenze offen. Er muss weiter, will in zwei Tagen zu Hause sein.

79. Etappe / Karby – Waabs / 21.06.2010Nach einer Stunde habe ich mit Emma wieder die Ostsee erreicht. Wie wandern unmittelbar am Wasser, Emma wartet gespannt auf die kleinen Wellen, die ans Meer schwappen, um dann im letzten Moment – bevor die Füße nass werden – weg zu springen. Die wenigen Urlauber die unterwegs sind verlaufen sich am Strand. Einige Segelboote sind draußen auf See. Blauer Himmel, blaues Wasser, weißer Strand, Urlaubsstimmung kommt auf. In der Hand einen kleinen flachen Ostseestein, liege ich irgendwann irgendwo im warmen Sand und träume mich davon.

Um nach Waabs zu kommen müssen wir den Strand der Ostsee verlassen. Am Ortsrand von Waabs, auf einer kleinen Anhöhe steht mein Quartier: Waabs Mühle. Von meinem Zimmer sehe ich die Ostsee. Morgen werde ich dort weiterwandern.

 

 

80. Etappe / Waabs – Eckernförde / 22.06.2010

Überraschung beim Frühstück in der Waabs-Mühle: Butterhörnchen und selbstgebackenes Brot stehen auf dem Tisch. Vom Chef des Hauses erfahre ich, dass der Küchenmeister aus der Schweiz stammt. Die Überraschung wird noch größer als ich Sepp Beyeler persönlich kennen lerne. Vor vielen Jahren arbeitete er in Saarbrücken, St. Ingbert und Blieskastel, alles Orte in meiner unmittelbaren Heimat. Anschließend zog er als Koch durch die halbe Welt und lebte für einige Jahre in Kamerun. Kamerun kennt er inzwischen besser als die Schweiz und kehrt immer wieder dort hin zurück. Im kommenden Herbst und Frühjahr will er mit einer kleinen Gruppe nach Kamerun fliegen, um im Urwald gemeinsam mit den Pygmäen einen Erlebniskochkurs zu veranstalten (www.afrikareise-kamerun.de).

80. Etappe / Waabs – Eckernförde / 22.06.2010Wir reden an diesem Morgen noch lange miteinander. Viel zu spät verlasse ich Waabs, um am Strand Richtung Eckernförde zu wandern. Tiefer Sand und steiniger Untergrund wechseln sich ab. Wir begegnen nur wenigen Menschen. Zwischen Waabs und Eckerförde wandern wir teilweise an der Steilküste vorbei. Oben an der Hangkante nisten Schwalben und versorgen die junge Brut. Ein imposantes Schauspiel wenn die Schwalben in die kleinen Erdlöcher fliegen.

Am Strand von Eckernförde treffe ich Helga Nießen, die auf einer Liege direkt am Strand Wellnessmassagen für Badegäste anbietet. Helga ist in Trier geboren, war lange Zeit mit einem Saarländer verheiratet, und hat in Saarbrücken gelebt. In Kellinghusen, der Heimatgemeinde von Marianne Ehlers, mit der ich vor einigen Wochen zum tiefsten Punkt Deutschlands gewandert bin, war sie für eine Periode Bürgermeisterin. Jetzt lebt sie in Eckernförde.

80. Etappe / Waabs – Eckernförde / 22.06.2010

Ich nehme die Einladung zur Massage gerne an. Die ideale Belohnung für meine Leistung: als ich Eckernförde ankomme habe ich seit meinem Start im Saarland schon 2000 Kilometer geschafft. Selten habe ich mich nach einer Wanderung so wohl gefühlt.

 

81. Etappe / Eckernförde – Schönberger Strand / 23.06.2010

Die Strecke von Eckernförde bis Ueckermünde werde ich wieder mit dem Fahrrad zurücklegen. Über den Ostssee Radweg geht’s Richtung Kiel.

81. Etappe / Eckernförde – Schönberger Strand / 23.06.2010Kurz nachdem ich heute losgeradelt bin, spaziert ein Pärchen mitten auf dem Radweg. Ich klingele, keine Reaktion. Ich klingele wieder, keine Reaktion. Beim dritten Mal dreht sich die Frau um und sagt zu ihrem Mann: „Geh mol riwwa, do koomd e Radfahrer.“ Unverkennbar Saarländer! Ich bremse, springe vom Fahrrad und sage: „Sie senn Saarländerin“. Es stimmt. Gertrud und Eduard Paulus kommen aus Saarbrücken. Sie wollten in diesem Jahr mal in Deutschland Urlaub machen. Als sie auf der Landkarte Kleinwaabs entdeckten waren sie sich einig: “Do fahre mir hin, das kenne ma noch nidd.“

Als ich in Schilksee, einem Stadtteil von Kiel, ankomme herrscht Hochbetrieb. Der Hafen des Olympiastützpunktes ist Ausgangspunkt der vielen Regatten der Kieler Woche. Draußen auf der Ostsee tummeln sich hunderte kleiner und großer Segelboote. Während ich mit der Fähre von Friedrichsort auf die gegenüberliegende Seite nach Laboe übersetze, segeln viele große Boote an uns vorbei. Ein phantastisches Fotomotiv. Hinter Laboe verläuft der Radweg direkt an der Ostsee. Nur der Strand trennt mich vom Wasser. Ein fantastischer Radweg.

81. Etappe / Eckernförde – Schönberger Strand / 23.06.2010

Am Schönberger Strand angekommen suche ich „Oma’s Kaffeestuuv“ (www.omas-kaffeestuuv.de). Ilka und Alain Mercier, die ich in Blankenheim in der Eifel vor einigen Wochen kennen lernte, haben mich zu sich eingeladen. An diesem Abend komme ich allerdings sogar noch bis „Kalifornien“. So schnell war ich noch nie unterwegs. Im Hotel Seestern in „Kalifornien“ essen wir frisch gefangenen Fisch. Anschließend machen wir es uns auf der Couch bei Ilka und Alain bequem um den 1:0 Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Ghana zu verfolgen.

 

82. Etappe / Schönberger Strand – Heiligenhafen / 24.06.2010

82. Etappe / Schönberger Strand – Heiligenhafen / 24.06.2010Anrufe und Mails besorgter Freunde erreichen mich. Was ist mit Emma wenn ich einige Tage mit dem Fahrrad unterwegs bin? Sie wird doch nicht in dieser Hitze neben dem Fahrrad herlaufen müssen? Emma geht es gut. Emma ist versorgt. Sie hat einige Tage Pause. Als ich meine Deutschlandumrundung plante, rief mich meine ehemalige Arbeitskollegin Helga an und meinte: „Wenn du Hilfe brauchst melde dich.“ Helga begleitet mich bis zur Ostgrenze mit dem Auto. Sie versorgt Emma und transportiert auch meinen schweren Rucksack. Helga fand auch einen Sponsor für mein Begleitfahrzeug, die Ford-Central-Garage Schaeffer in Dillingen. Vielen Dank für den Ford Focus Turnier, der mühelos das gesamte Gepäck und Emma transportiert.

Am Morgen ein herzlicher Abschied von Ilka und Alain an „Oma’s Kaffeestuuv“ am Schönberger Strand. Ich radele weiter Richtung Osten. Die Radtrasse verläuft weitgehend auf Radwegen und ruhigen Nebenstraßen. Der Blick über die Ostsee reicht scheinbar bis ins Unendliche. Mal radele ich direkt am Wasser an kleinen Buchten und langen Sandstränden vorbei. Mal an kleinen Waldgebieten oder Feldern und Weideland.

82. Etappe / Schönberger Strand – Heiligenhafen / 24.06.2010Mein Handy klingelt an diesem Morgen nur ein einziges Mal. Uli aus Marl meldet sich. In den letzten Wochen war er kreuz und quer mit dem ICE durch Deutschland unterwegs, um sein neues Buch vorzustellen. Während des Gesprächs vertrete ich mir die Beine um die Muskulatur zu lockern. Da fällt mein Blick auf ein kleines, unscheinbares Holzschild mit dem Bundesadler. Darauf lese ich: „Hier startete der Bundespräsident Prof. Dr. Karl Carstens am 11.10.1979 seine Deutschland-Wanderung.“ Ohne Ulis Anruf wäre ich an diesem Hinweis in Hohwacht achtlos vorbeigeradelt.

Ich umradele die Hohwachter Bucht und fahre nach Norden Richtung Heiligenhafen. Zwei verschiedenen Routen führen nach Heiligenhafen. Während ich noch unentschlossen in meinem Ostseeküsten-Radweg-Tourenbuch blättere, halten zwei radelnde Frauen, die ebenfalls auf dem Weg nach Heiligenhafen sind. Sonja Achermann und Verena Casagrande wohnen in der Schweiz. Seit drei Jahren machen sie jeweils eine Radtour im Osten und Norden Deutschlands. „Hier ist es so schön flach und man kann wunderbar weit schauen“, meinen sie. „So etwas gibt es nirgendwo in der Schweiz.“

Am Abend sitze ich mit Helga und Emma in der ältesten Gaststätte von Heiligenhafen. Im schattigen Biergarten des Klabautermanns werden wir vom Chef und seiner Frau köstlich bewirtet.

 

83. Etappe / Heiligenhafen – Wismar / 25.06.2010

In Heiligenhafen starte ich mit dem Fahrrad sehr früh am Morgen. 140 Kilometer will ich bis Wismar zurücklegen, ein langer Tag im Sattel. Der Ostsse-Küsten-Radweg ist auch heute sehr abwechslungsreich. Mal radele ich über kilometerlange Lindenalleen, mal schlängelt sich der Weg oberhalb der Steilküste durch schattige Waldpassagen, dann führt der Weg wieder direkt an der Ostsee vorbei. Auch die Landschaftsstruktur hat sich verändert. Immer wieder sorgen kleine Anstiege für schweißtreibende Kurbelarbeit.

83. Etappe / Heiligenhafen – Wismar / 25.06.2010In Dahme habe ich für kurze Zeit die Orientierung verloren. Ich halte an, um in der Karte nach dem richtigen Weg zu suchen. Mein Blick fällt auf das Straßenschild: Saarstraße. Wie „dahämm“. Und Saarländer werde ich heute auch noch treffen. Weiter geht die Fahrt über Kellenhusen, Grömitz, Rettin, Neustadt und Sierskdorf nach Scharbeutz. In Scharbeutz, am Timmendorfer Strand und in Travemünde führt der Radweg über die langen Uferpromenaden. Hier ist nur Schritttempo erlaubt.

Von Travemünde nach Priwall muss ich die Fähre nehmen. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Im Hafen liegt am Kai die Viermastbark „Passat“, ein Großsegler, den die Reederei Laiez gebaut hat. 1911 wurde die „Passat“ als Frachtsegler in Dienst gestellt. Sie gehört in die Reihe von 17 Großseglern der Reederei.

83. Etappe / Heiligenhafen – Wismar / 25.06.2010Kurz hinter Priwall verlasse ich das Bundesland Schleswig-Holstein. Mein Weg führt mich nun durch Mecklenburg-Vorpommern. Entlang der Lübecker Bucht und dem Ostseebad Boltenhagen erreiche ich am späten Nachmittag Wismar. Hier werde ich bereits erwartet. In der Pension „Chez Fasan“ haben mir Gerd Groß und seine Frau Simone ein ganz besonderes Zimmer reserviert. Da in den Zimmern keine Hunde übernachten dürfen steht mein Bett im 1422 gebauten Gewölbekeller des Hauses. Für Emma haben die Beiden direkt neben mir ebenfalls einen Schlafplatz vorbereitet (www.pension-chez-fasan.de). Gerd lernte ich vor einigen Jahren in Losheim im Restaurant „Maison au lac“ kennen. Nach dem Mauerfall zog es ihn nach Wismar. Dort lernte er seine Frau Simone kennen.

Bevor es zum schlafen in den Keller geht, sitzen wir im Garten, trinken saarländischen Weißburgunder von Karl Petgen aus Nennig und essen dazu von Gerd persönlich frisch geräucherten Butterfisch. Ein traumhafter Abschluss eines anstrengenden Tages.

 

Ruhetag in Wismar / 26.06.2010

Ruhetage dienen der Erholung und Materialpflege. Noch drei Tage werde ich bis zur polnischen Grenze mit dem Fahrrad unterwegs sein. Als ich mein Fahrrad überprüfe, entdecke ich am hinteren Reifen Löcher im Mantel. Mein Reifen ist platt. Im Bahnhof der Hansestadt hat Dietmar Riebe einen Fahrradverleih und eine kleine Werkstatt. Obwohl er wenig Zeit hat löst er mein Problem und bringt mein Fahrrad wieder in Ordnung. Anschließend bleibt Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt von Wismar.

Im Juni 2002 wurde das Denkmal „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“ in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Die Altstadt von Wismar repräsentiert bis in die heutige Zeit idealtypisch die entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. Wismar besitzt mit 76 Hektar die größte im Ostseeraum erhaltene Altstadt und ein Flächendenkmal für mittelalterliche Bau- und Lebensweise die ihres gleichen sucht. Der Markplatz im Herzen der Altstadt ist der größte an der Ostsee.

Ruhetag in Wismar / 26.06.2010

Zur Sicherung ihrer Handelswege schlossen sich 1259 Lübeck, Stralsund und Wismar zu einem Schutzbund zusammen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus die über mehr als drei Jahrhunderte mächtige Hanse. Wichtige einheimische Produkte Wismars waren Hering und Bier. In der Stadt existierten damals 180 Brauereien. Das Bier wurde vor allem in die angrenzenden Ostseeländer exportiert.

Im Westfälischen Frieden 1648 wurde Wismar und die Insel Poel Schweden zugesprochen. Die Stadt und die Insel wurden zur größten Festungsanlage Europas ausgebaut. 1803 verpfändeten die Schweden für 1.250.000 Taler die Stadt auf hundert Jahre an den Herzog von Mecklenburg-Schwerin. Nach Ablauf des Vertrages 1903 verzichtete Schweden auf die Rückgabe und überließ die Stadt, die seitdem wieder zu Deutschland gehört, den Mecklenburgern.

Morgen werde ich weiter entlang der Ostsee Richtung Osten radeln.

 

84. Etappe / Wismar – Ribnitz-Damgarten / 27.06.2010

84. Etappe / Wismar – Ribnitz-Damgarten / 27.06.2010Als ich am frühen Sonntagmorgen die Hansestadt Wismar verlasse, wärmen die Sonnenstrahlen bereits spürbar. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Bis zum Ostseebad Rerik muss ich zunächst nach Norden durch eine leicht wellige Küstenlandschaft radeln. Hinter Wismar führt der Weg durch eine alte Lindenallee. Ich genieße den intensiven Duft der Lindenblüten. Kurze Zeit danach sind die Wiesen übersät von rotem Klatschmohn. An den Randstreifen der Weizenfelder blühen unzählige blaue Kornblumen. Eine Landschaft wie hingemalt, wenn plötzlich auf einer Kuppe am Horizont die Ostsee auftaucht. Die ersten kleinen Segelboote haben Fahrt aufgenommen. Ich kann mich nicht satt sehen an diesen Bildern. Die Beine scheinen sich von alleine zu bewegen. In Stove halte ich kurz an, um eine der alten restaurierten Windmühle zu fotografieren.

84. Etappe / Wismar – Ribnitz-Damgarten / 27.06.2010An diesem Morgen radle ich durch kleine Ortschaften und Dörfer deren Namen ich noch nie gehört habe: Redentin, Wodorf oder Blowatz, Pepelow, Teßmannsdorf oder Roggow. Zwischen den Ostseebädern Kühlungsborn und Heiligendamm verläuft der Weg direkt an der Steilküste. Wo die Steilküste beginnt, verkauft Regina mit ihrem Eismobil selbst gemachtes Eis. Der ideale Zeitpunkt für eine Pause. „Das Eis ist mit viel Liebe gemacht“, verkündet sie. Es schmeckt köstlich. Einige Taucher kommen vom Strand. „Früher“, so erzählt sie, „als es die DDR noch gab, mussten wir abends um 22.00 Uhr den Strand verlassen. Da kam die Polizei und hat uns weggeschickt. Die hatten Angst es würde sich jemand ein Floß bauen, um sich nach Dänemark abzusetzen.“ Regina muss Eis verkaufen und ich muss weiter. Wir winken uns zu, dann bin ich weg.

Über Heiligendamm und Nienhagen erreiche ich schließlich Warnemünde. Die Fähre bringt mich zur Hohen Düne. Nach mittlerweile fünfeinhalb Stunden Fahrt in sengender Hitze bin ich müde. Meine Beine schmerzen. Trotzdem geht die Fahrt weiter, jetzt durch kühle Waldpassagen nach Graal-Müritz. Dort trinke ich einen Kaffee und esse dazu ein Stück Erdbeerkuchen. Über Klein-Müritz Neuheide und Körkwitz erreiche ich nach sieben Stunden Ribnitz-Damgarten. Als ich unter der Dusche stehe fällt das erste Tor für die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen England. Nach dem Abendessen schlafe ich mit meinen Kleidern auf dem Bett ein. Für heute „habe ich fertig“.

 

85. Etappe / Ribnitz-Damgarten – Hohendorf / 28.06.2010

Das Deutsche Bernsteinmuseum im Kloster in Ribnitz ist mit über 1500 Exponaten die größte Bernsteinsammlung Europas. Die umfangreiche Sammlung gibt einen Einblick in die Naturgeschichte und Geologie des fossilen Harzes, sowie die Kunst- und Kulturgeschichte des Baltischen Bernsteins.

85. Etappe / Ribnitz-Damgarten – Hohendorf / 28.06.2010Nach dem Besuch der Ausstellung verlasse ich Ribnitz Richtung Osten. Bis Barth radele ich durch kleine verträumte Dörfer und ein großes Waldgebiet. Im Hafen von Barth mache ich Mittagsrast und esse meine erste „Rauchwurst“ frisch aus der Räucherkammer.

Es wird heiß an diesem Montag, aber der leichte Wind, der vom Meer herüberweht, lässt mich die Temperaturen nicht spüren. Die Fahrt von Barth nach Hohendorf ist eine Fahrt wie durch eine Bilderbuchlandschaft. Kaum ein Mensch ist zu sehen, keine Autos sind zu hören, nur ab und zu ein kleines Dorf mit wenigen Häusern. Und ich mitten drin. Ich genieße mit allen Sinnen. Mal hoppelt ein Hase vor mir her, mal sehe ich in die Augen eines jungen Rehbocks. Die Kühe auf den Weiden liegen träge in der Mittagssonne. Wenn die Wildschwäne mit kräftigem Flügelschlag übers Wasser ziehen vibriert die Luft. Die Ähren riesiger Felder glänzen im Mittagslicht der Sonne bernsteinfarben. Feld- und Wiesenränder sind mit blühenden Holunderbüschen übersät. Der süße Duft der Blüten scheint mich zu betören. Wie eine sich über die Straße windende Blindschleiche schlängelt sich der Weg entlang des Wassers. Ich bin fasziniert von diesen Bildern. Ein Gefühl der Schwerelosigkeit überkommt mich. Ich fühle mich als Teil dieser Landschaft, losgelöst von allem, fühle mich frei. Momente reiner Glückseligkeit. Ich könnte weinen vor Glück. Es ist mit Sicherheit die schönste Radstrecke, die ich jemals gefahren bin.

85. Etappe / Ribnitz-Damgarten – Hohendorf / 28.06.2010Auch Dietrich Hoffmann und seine Frau Ursula aus Osnabrück sind von dieser Landschaft fasziniert. Sie stehen mit ihrem Tandemfahrrad und Gepäckwagen am Wegesrand. Ich halte an und treffe auf Gleichgesinnte. In Hohendorf im Schlosscafé werden wir uns zufällig wieder begegnen. Das Café ist an diesem Montagnachmittag geschlossen, aber Schlossherr Hubertus, Burkard, Karl-Friedrich, Eduard Heinrich Graf von Klot-Trautvetter hat Mitleid mit durstigen Kehlen. Er setzt sich zu mir an den Tisch und erzählt aus seinem Leben. Seine Familie stammt aus dem baltischen Raum und führt seit dem 11. Jahrhundert den Grafentitel. Nach der Wende hat der in Stuttgart aufgewachsene Graf sein Familienschloss für eine symbolische D-Mark zurückgekauft und renovierte mit einigen Millionen sein Familienbesitz (www.schlosshohendorf.de).

 

86. Etappe / Hohendorf – Wolgast / 29.06.2010

Der heutige Tag ist ein absolutes Kontrastprogramm zum Vortag. Als ich in Hohendorf am Schloss aufs Fahrrad steigen will, rennt Emma in den angrenzenden Garten des Grafen von Klot-Trautvetter. Tags zuvor hatte der Graf Emma erlaubt im Garten zu spielen. An diesem Morgen ist jedoch die Frau des Grafen im Garten und vertreibt Emma lautstark und Worten, die ich hier nicht wiederholen möchte, von ihrem Grundstück. Es fällt mir schwer ihren rüden Umgangston mit der herzlichen und freundlichen Art des Grafen in Einklang zu bringen. Also versuche ich den Vorfall zu vergessen und die angenehme Atmosphäre von gestern in Erinnerung zu behalten.

86. Etappe / Hohendorf – Wolgast / 29.06.2010Auch der Radweg ist enttäuschend. Die Wegstrecke wird schlechter, der Verkehrslärm nimmt zu. Die alte Hansestadt Stralsund muss ich komplett durchqueren. Die Beschilderung des Weges verliert sich. Immer wieder muss ich nach dem rechten Weg fragen. Ich will Richtung Greifswald. Hinter Stralsund radle ich über Voigdehagen und Devin über dickes Kopfsteinpflaster und Betonplatten. Ich werde ordentlich durchgeschüttelt. Als ich kurz hinter Devin die Wegtrasse des Ostsse-Küsten-Radweges wieder gefunden habe, glaube ich es geschafft zu haben, aber weitere fünfundzwanzig Kilometer Kopfsteinpflaster warten auf mich. Für diese Strecke benötige ich zweieinhalb Stunden! Immer wieder muss absteigen, um meine Handgelenke zu lockern. Es ist die längste Kopfsteinpflasterstrecke die ich jemals in meinem Leben geradelt bin. Hinzu kommt, dass diese alte Landstraße zwischen Stralsund und Greifswald parallel zur neuen stark befahrenen Bundesstraße verläuft.

Alte Tugenden muss ich in mir wachrufen: Quälen, beißen, kämpfen. Immer wieder den inneren Schweinehund besiegen. Es wird eine Tour zwischen extremer körperlicher Anstrengung und einer ungeheueren mentaler Stärke: ich schaffe es!

86. Etappe / Hohendorf – Wolgast / 29.06.2010

In Greifswald am alten Hafen kann ich mich endlich erholen. Ich weiß nicht wie viel Zeit ich dort verbringe. Aber ich schließlich bin ich wieder fit erhole und fahre entlang der Ryck bis Eldena, um bei einem Eis die alte aufklappbare Holzbrücke über den Fluss zu bestaunen.

Zwischen Kemnitz und Neuendorf verlasse ich den Radweg. Schattige Alleen mit altem Baumstand geben mir das Gefühl durch einen Laubtunnel zu fahren. Ohne den dazugehörigen Autoverkehr wäre es eine Traumroute. Nach dem Duschen falle ich in meinem Zimmer in Wollgast direkt in einen Tiefschlaf.

 

87. Etappe / Wolgast – Ueckermünde / 30.06.2010

87. Etappe / Wolgast – Ueckermünde / 30.06.2010Um an den nordöstlichsten Zipfel meiner Deutschlandumrundung zu gelangen, steige ich heute zum letzten Mal aufs Fahrrad. Sechsundsiebzig Kilometer bin ich durch eine fast menschenleere Gegend unterwegs. Je näher ich der deutsch-polnischen Grenze komme, umso einsamer wird es. Auch in den kleinen Dörfern, die ich durchradle ist niemand auf der Straße. Mitten in der Einsamkeit treffe ich Burkhard Päth aus Gnevezin. Mit einer großen Astsäge schneidet er den Weg frei. Wenige Minuten später begegnen mir Gisela und Harald Sander aus Frankfurt am Main. Sie sind vor einigen Tagen in Frankfurt an der Oder mit ihren Fahrrädern gestartet und wollen Richtung Ahlbeck.

87. Etappe / Wolgast – Ueckermünde / 30.06.2010Der landschaftliche Höhepunkt meiner Tour ist das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch.“ Im Mündungsbereich der Peene entstand vor Jahrtausenden eine riesige Moorlandschaft, die mit 1230 ha Waldfläche der größte Moorwald Deutschlands ist. Der Wind erzeugt im Schilf leise Töne, die ab und zu von den Graugänsen auf dem Wasser übertönt werden. Ansonsten ist es still. Atemberaubende Bilder. Für einige Minuten genieße ich die Stille und den weiten Blick ins Moor.

Bugewitz besteht aus nur wenigen Häuser. Am ersten Haus ein Hinweis: Fahrradtankstelle. Regina Gentz hat das Elternhaus ihres Vaters zu einem kleinen Cafe umgebaut. Seit dem 1. Mai ist die „Tankstelle“ geöffnet. Nachdem sie viele Jahre verantwortlich für die „Butterfahrten mit dem Schiff“ war, will sie jetzt etwas kürzer treten. Im Innenraum ist für fünfzehn Personen eine Kaffeetafel mit alten Sammeltassen und Zubehör gedeckt. „Heute Mittag ist Mumientreff“, sagt sie lächelnd. Die 60-80jährigen aus Bugewitz wollen sie besuchen.

87. Etappe / Wolgast – Ueckermünde / 30.06.2010Ich genieße den selbst gebackenen Kuchen in „Gines kleiner Fahrradtankstelle“ und unterhalte mich Stephie und Sebastian aus Berlin. Sie sind für einige Tage mit dem Fahrrad unterwegs. „Ganz schön anstrengend für Stadtmenschen die selten auf dem Fahrrad sitzen“, meinen die Beiden.

Auch die schönste Pause muss mal zu Ende sein. Bis Ueckermünde durchradle ich noch eine wunderschöne Waldpassage bevor ich am frühen Nachmittag den Strand erreiche. Morgen warten die Wanderschuhe und Emma auf mich. Ich glaube Emma freut sich wieder mit zu Wandern.

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