Non-Stopp Deutschlandumrundung Etappentagebuch April

 


Etappen im November
Etappen im Oktober
Etappen im September
Etappen im August
Etappen im Juli
Etappen im Juni
Etappen im Mai
Etappen im März

12. Etappe / Saarburg – Trier / 01.04.2010

12. Etappe / Saarburg – Trier / 01.04.2010Beim Start zur Etappe von Saarburg nach Trier schwanke ich zwischen Freude und Wehmut, denn Flo und Horst begleiten mich zum letzten Mal. Udo, ein Kollege aus alten Rundfunkzeiten, wohnt in der Nähe und begleitet uns heute. Vorbei am Wasserfall der Leuk erreichen wir die Saar. In Schoden entscheiden wir uns am Altarm der Saar weiterzuwandern.

12. Etappe / Saarburg – Trier / 01.04.2010Udos Frau ruft an und fragt ob es bei uns auch schon schneit. In Reinsfeld im Hunsrück, wo er zu Hause ist und nicht sehr weit von unserer Wanderstrecke, hat kräftiger Schneefall eingesetzt. Wir zucken zusammen, schnüren unsere Jacken noch enger und legen einen Zahn zu. Im Ratskeller von Konz machen wir die letzte Rast vor Trier. Hier in Konz mündet die Saar in die Mosel.

Um 17.00 Uhr erreichen wir das Stadtschild von Trier. Flo ist überglücklich es geschafft zu haben. Im Hotel Deutscher Hof in Trier feiern wir die Ankunft. Osterhase Horst verteilt Schokoladeneier. Auch für ihn heißt es nun Abschied nehmen. Er hat mich sicher nach Trier gebracht. Danke Horst. Morgen ist Ruhetag.

 

Ruhetag in Trier / 02.04.2010

Vom Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ zum Weltkulturerbe „Das Römische Trier.“ So kann man den 1. Abschnitt meiner Deutschlandumrundung überschreiben. 225 Kilometer entlang der Grenze. Es waren spannende Tage mit Freunden, Bekannten, die mir das Abnabeln von meiner geografischen Heimat leicht gemacht haben

Ruhetag in Trier / 02.04.2010

Amphitheater, Porta Nigra, Kaiserthermen, Konstantinbasilika, Liebfrauenkirche und der Dom sind Pflichtprogramm für Trier. Die beiden freien Tage verbringe ich mit meiner Frau und Emma in der ältesten Stadt Deutschlands. Josi, die Schwester von Flo, die hier in Trier studiert, zeigt uns Trier aus ihrer Sichtweise. Für Emma ist Trier Hochgenuss für Nasenträume. Kaum ein Stein, eine Mauer oder Baum wird ausgelassen. Wir kommen nur langsam vorwärts. Trier wird ausgiebig beschnüffelt, Hundeglück am Ruhetag.

 

Ruhetag in Trier / 03.04.2010

Ruhetag in Trier / 03.04.2010Auch der Karsamstag dient der Erholung. Lange Schlafen, Wäsche waschen und ein Spaziergang mit Emma und meiner Frau durch die Fußgängerzone. Auf dem Viehmarkt bieten französische Markthändler Produkte aus Burgund, der Provence und anderen Landesteilen an. Von landestypischen Käsesorten und Würsten über Schmuck, Seife und Gewürzen ist alles zu haben. Ich werde an meinen letzten Urlaub in der Provence erinnert. Allerdings war es dort wesentlich wärmer als am Samstag vor Ostern in Trier.

Ruhetag in Trier / 03.04.2010Am Amphitheater weist ein Hinweisschild auf den Saar-Hunsrück-Steig hin, der hier in Trier beginnt und entweder in Idar-Oberstein oder an der Saarschleife im Saarland endet. Dreimal bin ich den Steig bereits gewandert. Im vergangenen Jahr wurde er zum schönsten Fernwanderweg Deutschlands 2009/2010 gewählt. Und nun einmal Werbung in eigener Sache: Ich hab’ das Buch dazu geschrieben. Ich lade alle, die diese Zeilen lesen, ein, einmal diesen Wanderweg zu wandern. Wandervergnügen wie es schöner kaum sein kann. Morgen werde ich auf dem Eifelsteig weiterwandern. Ich glaube Emma will auch weiter.

 

13. Etappe / Trier – Kordel / 04.04.2010

Emma wird Trier in bester Erinnerung behalten. Beim Bummel durch die Stadt hatten wir für abends im Cumvino reserviert. Bitte möglichst in einer ruhigen Ecke wegen Emma. Als wir eintreffen begrüßt uns Antonia und führt uns zum Tisch: für Emma steht schon ein frischer Wassernapf bereit! Wir sind begeistert von diesem Empfang und das Essen war auch lecker. Ein gelungener Abschluss der Ruhetage.

13. Etappe / Trier – Kordel / 04.04.2010

Heute geht’s von Trier nach Kordel. Ich bekomme Überraschungsbesuch. Mein Freund Siegfried, seine Frau Barbara mit Katharina und Lukas werden mich beim „Osterspaziergang“ begleiten.

13. Etappe / Trier – Kordel / 04.04.2010Mit festlichem Glockenklang vom Dom, überqueren wir die Mosel über die Kaiser-Wilhelm- Brücke. Wie ein silbernes Band glitzert die Mosel im Sonnenlicht. Wind treibt Wolkenfetzen vor sich her. Es ist die erste Etappe auf dem Eifelsteig, der mich quer durch die Eifel nach Aachen führt. Der Eifelsteig gehört zu den Top-Trails Deutschlands. Der lange Anstieg gleich hinter der Brücke bietet lange Anstieg bietet uns Ausblick auf die Stadt und die Mosel. Auch Emma hat ihren Spaß. Viele Hunde mit Frauchen und Herrchen sind an diesem Morgen unterwegs. Nach zwei Stunden erwischt uns der erste kräftige Regenschauer, es werden noch einige folgen. Ebenso folgen einige steile Anstiege, die vom Regen stark aufgeweicht sind. Das Butzerbachtal ist eine echte Attraktion. Lukas nimmt Tempo auf, allerdings nicht auf dem schmalen Pfad sondern im Wasser. Beim Herumtoben rutscht er auf moosigem Untergrund aus, gleitet einige Meter im Wasserbett nach unten und landet in einem kleinen Auffangbecken. Pitschnass steht er vor uns. Nach dem „trockenlegen“ schaffen wir auch den letzten schweren Anstieg mit Ausblick zur Burg Ramstein. In Kordel am Bahnhof sehen wir gerade noch eine Dampflokomotive abfahren. Über die Ostertage sind Dampflokomotiventage in der Umgebung.

 

14. Etappe / Kordel – Bruch / 05.04.2010

14. Etappe / Kordel – Bruch / 05.04.2010Die Wanderung beginnt in Kordel gleich mit einem schweißtreibenden Anstieg. Dann folgt ein Streckenabschnitt durch frühlingshaften Buchenwald. Gestern, am Ostersonntag, begleitete uns der Gesang von Barbara mit Oster- und Frühlingsliedern. Heute sind es die Waldbewohner, die immer wieder ein Lied anstimmen. Beim Pochen des Spechts hört Emma aufmerksam zu. Ich werde öfter an meine Kinderzeit erinnert, denn unten im Kylltal, zu dem ich eine zeitlang parallel laufe, sind die Dampfloks mit ihren rauchenden Schornsteinen zu sehen und zu hören. Die Dampflokomotiventage finden großes Interesse. Aus halb Europa sind Lokomotiven-Fans mit Kameras unterwegs, um die schwarzen Ungetüme zu fotografieren.

14. Etappe / Kordel – Bruch / 05.04.2010Heute rächt sich, dass ich um Gewicht zu sparen auf die „dicke“ Wanderkarte zum Eifelsteig verzichtet habe. Die Top-Trails gelten ja als „unverlaufbar“. Der Windbruch der letzten Wochen hat jedoch nicht nur viele Bäume entwurzelt, auch etliche Wegmarkierungen des Eifelsteigs sind verschwunden. Irgendwann lande ich in einem Talkessel im kleinen Weiler Kyll. Ich habe mich total verlaufen, das Handy ohne Empfang. Hilfsbereite Menschen helfen mir in Kyll und bringen mich wieder auf den rechten Weg. Im Landhotel Littcher Hof übernachte ich. Dort habe ich mir sofort eine Karte gekauft. Und die Moral von der Geschicht`: Wandere ohne Karte nicht.

 

15. Etappe / Bruch – Kloster Himmerod / 06.04.2010

15. Etappe / Bruch – Kloster Himmerod / 06.04.2010Wer nach Großlittgen kommt und Schnitzel mag sollte unbedingt die Küche des Littcher Hofes ausprobieren. Über 35 verschiedene Schnitzelvariationen stehen auf der Karte. Die Schnitzel die wir probierten waren köstlich.

Mit der Wanderkarte im Rucksack (ich werde sie heute nicht benötigen, denn der Wegabschnitt von Bruch zum Kloster Himmerod ist optimal ausgeschildert) starte ich von der Burg in Bruch. Emma ist putzmunter. Bei wolkenfreiem Himmel geht’s uns beiden besonders gut. Die über uns kreisenden Düsenjets des nahe gelegenen Bundeswehrstützpunkts trüben nur wenig unsere Stimmung. Wir treffen Angelika und Manuela aus der Nähe von Aachen, die den Eifelsteig von Nord 15. Etappe / Bruch – Kloster Himmerod / 06.04.2010nach Süd wandern. Sie erzählen von Ihrem Erlebnissen als Eifelsteig-Anfänger. Georges aus Ettelbrück in Luxemburg treffe ich kurze Zeit später. Im Tal des Flüsschens Salm hat er gemeinsam mit seiner Frau die Ranzenmühle erworben. Wir freunden uns schnell an und er zeigt mir sein Schmuckstück. Emma tollt mit den beiden Hofhunden. Sie scheint heute nicht müde werden zu wollen. Das Kloster erreichen wir bei warmen Temperaturen. Auf der Terrasse des Cafes träumt Emma wunderbare Hundeträume während ich ein Himmeroder Klosterbräu genieße.

 

16. Etappe / Kloster Himmerod – Manderscheid / 07.04.2010

16. Etappe / Kloster Himmerod – Manderscheid / 07.04.2010Kloster Himmerod wurde im 12. Jahrhundert gegründet und gilt bis heute als eines der besterhaltenen Zisterzienser-Klöster. Vom Eingang starte ich mit Emma zur Wanderung nach Manderscheid. Es wird eine Wanderung mit vielen steilen Anstiegen und ebenso steilen Abstiegen. Viel Wald und viel Wasser auf dem Weg durchs Liesertal. Und vor allem Ruhe, dachten wir. Über 150 Wanderer begegnen uns heute, vor allem junge Wanderer kommen uns immer wieder entgegen. Wir sind wohl die einzigen die von Süden nach Norden gehen.

Unterwegs wird es teilweise „hochalpin“, wenn der schmale Pfad oberhalb der Lieser hart an der Abbruchkante verläuft. Noch immer versperren umgestürzte Bäume die Wegführung. Als wir Manderscheid erreichen, sehen wir im Tal die imposanten Burganlagen, deren Türme von weitem winken (ganz besonders winken sie Alexander zu). Unterhalb der Burg hat sich „Burgschmied“ Wolfgang Küppers eingerichtet. Eine keltische Triskele, als Zeichen des Lebens, hat er über dem Eingang seiner Schmiede angebracht. Statt grober Schmiedearbeiten fertigt er hier filigranen Schmuck.

 

17. Etappe / Manderscheid – Daun / 08.04.2010

In Manderscheid kann man im Maarmuseum der Erde auf den Grund schauen. Spektakuläre Simulationen zeigen geologische Zusammenhänge aus neuen Perspektiven. Höhepunkt der Ausstellung ist das von Innen begehbare Großmodell eines Maares mit integrierten audio-visuellen Darstellungen.

17. Etappe / Manderscheid – Daun / 08.04.2010

Beim Abschied von Manderscheid ein letzter Blick zur Burg, bevor ich mit Emma entlang der Lieser durch die Vulkaneifel Richtung Daun weiterwandere. Einsame

Waldpassagen und Waldwiesen bestimmen das Bild der Landschaft. An 17. Etappe / Manderscheid – Daun / 08.04.2010einem Waldsee mache ich mit Emma in himmlischer Ruhe Rast. Hinter der Übersdorfermühle müssen wir über eine Umleitung den Weg fortsetzen. Sie ist gut ausgeschildert. Umgestürzte Bäume machen den Eifelsteig hier unpassierbar. Auf der Höhe vor Schalkenmehren ein imposanter Blick aufs Maar. Nieselregen setzt ein. Wieder einmal legen wir einen Zahn zu. Nach dem Schalkenmehrener Maar wandern wir zum Weinfelder Maar und weiter zum Gemünder Maar ehe wir, leicht durchnässt, Daun erreichen. Morgen können wir ausschlafen.

 

Ruhetag in Daun / 09.04.2010

„Der Wein ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien das Schmackhafteste und unter den Nahrungsmittel das Angenehmste.“ So steht es in der Weinkarte bei Kucher’s Landhotel in Darscheid in der Vulkaneifel, nur wenige Kilometer von Daun entfernt. Hier verbringe ich meinen Ruhetag mit Emma. Martin Kucher habe ich schon vor vielen Jahren kennen gelernt. Die Küche seines Landhotels ist mit vielen Preisen ausgezeichnet. Martin Kucher und seine Frau Heidi präsentieren ihren Gästen die umfangreichste Weinkarte von Rheinland-Pfalz. Für seinen Weinkeller hat er sogar nach altem Vorbild einen Kreuzgewölbekeller bauen lassen. Seit einigen Jahren ist er Pate des steilsten Weinbergs Europas, dem Bremmer Calmont an der Mosel. Bei der Rodung, der Neuanpflanzung und der ersten Ernte hat Martin Kucher persönlich tatkräftig mitgeholfen. Seine Hausmarke „Magma“ stammt aus diesem Weinberg. Am Abend sitzen wir nach dem Essen noch zusammen und trinken Wein aus seiner Schatztruhe. So gestärkt wandere ich morgen mit Emma nach Gerolstein.

 

18. Etappe / Daun – Gerolstein / 10.04.2010

18. Etappe / Daun – Gerolstein / 10.04.2010Am Vulkanmuseum mitten in Dan starte ich mit Emma zur 7 ½ stündigen Wanderung nach Gerolstein. Wir befinden uns mitten in der Vulkaneifel. Aufgrund ihrer erdgeschichtlichen Entwicklung ist die Region der Vulkaneifel einmalig auf der Welt. Deshalb hat man diese Region ins Welt-Naturerbe aufgenommen. Über 350 Ausbruchszentren von Vulkanen dokumentieren die Entstehungsgeschichte. In verschiedenen Geo-Museen und Geo-Einrichtungen werden die geologischen Phänomene dokumentiert.

18. Etappe / Daun – Gerolstein / 10.04.2010Von den Bergkuppen der Eifel bläst uns teilweise eisiger Wind ins Gesicht, gefühlte 2-3 Grad. Als uns zwei Mountainbiker überholen läuft sich Emma warm in dem sie die beiden für einige Minuten bergab verfolgt. Am Nerother Kopf (647 m ü. NN) eine Überraschung. Mitten im Wald stehen Reste einer Burg, die unter Johann von Böhmen 1340 erbaut wurde. Der Bergkegel, erkaltetes Lavagestein, ist wesentlich älter, er entstand etwa vor 15.000 Jahren. Gerolstein, die Stadt des Wassers, erreichen wir über einsame Walpassagen am Spätnachmittag.

 

19. Etappe / Gerolstein – Hillesheim / 11.04.2010

19. Etappe / Gerolstein – Hillesheim / 11.04.2010Beim Start am Morgen Überraschungsbesuch aus dem Saarland. Emmas Hundefreund Benni und Frauchen Simone, sowie deren Sohn Jan wollen heute mitwandern. Emma ist vor Freude außer Rand und Band. Wir beginnen unsere Wanderung am Brunnenplatz in Gerolstein, überqueren die Kyll und entdecken linker Hand im Kreisverkehr eine bunte Fahrradplastik, die an die Zeit des Gerolsteiner Profi-Fahrradteams erinnert. Wir müssen nach oben, mehrere Kilometer durch die so genannten Gerolsteiner Dolomiten. Vom Aussichtspunkt Munterley hoch über Gerolstein liegt uns das Kylltal zu Füßen. Wir können die Aussicht nicht lange genießen, da eisiger Wind von Norden bläst. Wir wollen weiter. Bis Hillesheim sind es noch einige Stunden. Schwere Wolken treiben über uns hinweg. 19. Etappe / Gerolstein – Hillesheim / 11.04.2010Offene Landschaften mit herrlichen Weitblicken prägen das Bild der heutigen Wanderung, daneben geologische Höhepunkte wie der Tagebau für Mühlensteine, Tuffaufschlüsse und das Kalkgebirge mit seinen Höhlen. Mal zeigt sich für kurze Momente die Sonne, mal nieselt es und auch ein leichter Graupelschauer lässt uns die Kälte spüren. Kurz hinter Roth beim Anstieg zum 531 Meter hohen Wolfsbeuel trauen wir unseren Augen nicht: Schneefocken fallen vom Himmel. Meine Finger sind kalt wie Eiszapfen. Nach 6 Stunden haben wir Hillesheim erreicht. Mit heißer Schokolade und Erdbeerkuchen wird Jan für seine lange Wanderung belohnt. Mein heißer Milchkaffee dient erst mal dem Auftauen meiner Finger. Zu Hause blühen die Magnolien, wir wandern hier im Schnee. Wann wird’s endlich Frühling in der Eifel?

 

20. Etappe / Hillesheim – Mirbach / 12.04.2010

20. Etappe / Hillesheim – Mirbach / 12.04.2010Beim Frühstück in Hillesheim bekomme ich leuchtende Augen: Original Grafschafter Goldsaft steht auf dem Frühstückstisch. Brauner, dickflüssiger, süßer Zuckerrübensirup. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der gute, alte Fenner Harz, der in Kindertagen täglich auf dem Tisch stand. Die Wiege dieses Lebensmittels stand nämlich in Fenne, einem Stadtteil von Völklingen, in dem ich aufgewachsen bin. „Fenner Harzbagge“ wurden wir früher spöttisch beschimpft.

In Hillesheim dreht sich vieles um Krimis. Der Eifel-Krimi Autor Jacques Berndorf hat etliche seine Schauplätze nach Hillesheim gelegt. Ein Eifel-Krimi-Wanderweg startet direkt in Hillesheim. Als ich in Hillesheim früh morgens zu meiner 25 Kilometer Wanderung nach Mirbach starte, liegt dicker Nebel auf der Landschaft, ideale Krimiatmosphäre.

20. Etappe / Hillesheim – Mirbach / 12.04.2010Unterwegs irgendwo zwischen Kerpen und Mirbach tauchen plötzlich Hugo und Karl auf. Hugo ein schwarz-weißer Mischlingshund aus Spanien und sein Herrchen Karl. Sie begleiten Emma und mich ein Stück. Karl ist am Ende seines Berufslebens in seine alte Heimat, die Eifel, zurückgekehrt ist. Auch er Journalist, schnell haben wir einen gemeinsamen Bekannten ausfindig gemacht.

An der Erlöserkirche in Mirbach bete ich für besseres Wetter. Auch heute hat uns zum Schluss der Wanderung ein Regenguss erwischt. Für Emma war es ein toller Tag mit überraschenden Tierbegegnungen.

 

21. Etappe / Mirbach – Blankenheim / 13.04.2010

21. Etappe / Mirbach – Blankenheim / 13.04.2010Meine Seufzer und Stoßgebete in der Erlöserkirche sind erhört worden. Ein sonniger Frühlingstag auf der Strecke von Mirbach nach Blankenheim. An der Landesgrenze Rheinland-Pfalz – Nordrhein-Westfalen entdecke ich ein mit Bärlauch übersätes Waldstück. Einige junge Blätter pflücke ich mir für unterwegs. Weite, offene Landschaft bestimmt das Bild der Wanderung durchs Naturschutzgebiet Lampertstal. In Alendorf führt der Weg durch eine Wachholderallee zum Kalvarienberg. Die Wiesen am Gipfelkreuz sind mit lilafarbenen 21. Etappe / Mirbach – Blankenheim / 13.04.2010Küchenschellen bedeckt. Von hier ist der Ausblick an diesem sonnigen Morgen über die Eifelkuppen überwältigend. Die 14 Kreuzwegstationen aus rotem Sandstein, die ich anschließend mit Emma passiere stammen aus dem 17. und 19. Jahrhundert.

Blankenheim erreichen wir am frühen Nachmittag. Wir schlendern durch den Ortskern zur Ahrquelle. Die Quelle liegt unmittelbar unter einem alten Fachwerkhaus. Im Cafe-Bistro Landlust bleibt Zeit einen Milchkaffee zu trinken, und ein Stück Käsekuchen mit frischem Ziegenkäse zu probieren.

„Wer Vergessen Hat Zu Träumen Wird Nie Lernen Zu Leben“, lese ich in der kleinen Speisekarte. Morgen wandere ich mit Emma auf meiner Traumroute rund um Deutschland weiter.

HEIMAT: Ein Heim, zu Hause ankommen, Entschleunigung, Wohlfühlen, bei sich selbst sein.
(Ute Rösgen, Blankenheim)

 

22. Etappe / Blankenheim – Urft / 14.04.2010

Im Hotel Schlossblick in Blankenheim lerne ich den Vater von Gilberte Mercier kennen. Er ist mit seiner Frau Ilka für einige Tage zu Besuch in Blankenheim. Alain, 1944 in Südbelgien geboren, wurde Berufssoldat. 1966 hatte er an Weihnachten Dienst. Da seine Eltern ihn besuchen wollten ging er auf Zimmersuche für sie. Dabei lernte er Ilka, die Tochter des Hoteliers, kennen. Alain hat es so formuliert: „Ich kam, sah und siegte.“ Inzwischen sind sie 42 Jahren verheiratet und betreiben seit 1996 „Oma’s Kaffeestuuv“ am Schönberger-Strand an der Ostsee. Dort werde ich sie im Sommer besuchen. Bei dem schlechten Wetter der vergangenen Tage hab ich mich wohl leicht erkältet. Während ich diese Zeilen schreibe muss ich niesen und die Nase tropft.

22. Etappe / Blankenheim – Urft / 14.04.2010

Blankenheim verlasse ich am im frühen Morgen Richtung Urft. Da Gilberte Mercier freundlicherweise den Transport meines Rucksacks übernimmt kann ich mich heute etwas schonen. Am frühen Nachmittag habe ich Urft erreicht und schlafe erst einmal einige Stunden.

 

23. Etappe / Urft – Schleiden-Gemünd / 15.04.2010

23. Etappe / Urft – Schleiden-Gemünd / 15.04.2010Mit Polizeischutz ins Hotel. So kann man die heutige Wanderung auf dem Eifelsteig von Urft nach Schleiden-Gemünd überschreiben. Aber der Reihe nach:

Jeden Dienstagabend gibt es im Urfter Hof Kartoffelpuffer, also „Grumbeerkieschelcher“. In Urft isst man dazu Schwarzbrot, Apfelmus und Grafschafter Goldsaft (Fenner Harz). Ich erzähle Maria Weckmann, dass mir meine Mutter früher keine größere Freude machen konnte, als mir morgens das Schulbrot mit einem kalten „Grumbierkieschelche“ vom Vortag zu belegen. Beim Frühstück heute Morgen liegen tatsächlich zwei kalte Kartoffelpuffer an meinem Platz. Danke Maria.

23. Etappe / Urft – Schleiden-Gemünd / 15.04.2010Das Kloster Steinfeld der erste Höhepunkt des Tages. Die über 1000jährige Anlage gilt als eines der besterhaltenen klösterlichen Baudenkmäler des Rheinlandes. Emma lässt das kalt, sie interessiert sich viel mehr für die Alpakas, die uns kurz danach beschnüffeln und dann bespucken wollen.

Die Fachwerkhäuser von Olef sind ein weiterer baulicher Höhepunkt des heutigen Tages. Kurz hinter Olef kommen wir zum Wanderscheitelpunkt zwischen Gemünd und Schleiden. Welchen Weg sollen wir wählen. In versuche in meinem gebuchten Hotel nachzufragen. Nach unzähligen vergeblichen Anrufen, entscheide ich mich für den Abstieg nach Schleiden. Dort kennt allerdings niemand mein Hotel. Von einer vorbeikommenden Polizeistreife erhalte ich schließlich niederschmetternde Antwort: Mein Hotel ist im Ortsteil Gemünd, wir müssen 6 Kilometer über den Berg zurücklaufen. Emma ist müde und ich ebenso. Die beiden Beamten haben Mitleid. Schnell sitzen wir im Polizeiauto und werden direkt vor unserem Hotel abgesetzt. Die Polizei dein Freund und Helfer. Danke.

 

24. Etappe / Gemünd – Einruhr / 16.04.2010

24. Etappe / Gemünd – Einruhr / 16.04.2010Um 7.55 Uhr erhalte ich von meinem Freund Uli aus Marl ein kurze Mail: Ein neuer Tag. Einfach losgehen. Uli. Allerdings gehe ich heute nicht allein mit Emma. Mein Sohn Benjamin hat sich angekündigt. Er will mich zwei Tage lang begleiten.

Als wir in Gemünd starten hängt immer noch dicker Hochnebel in der Luft. Erst am späten Nachmittag wird sich deshalb die Sonne durchsetzen. Seit mein Stoßgebet wegen der täglichen Regenschauer in der Seufzerkirche von Mirbach erhört worden ist hat es nicht mehr geregnet. Es wird auch heute so bleiben.

24. Etappe / Gemünd – Einruhr / 16.04.2010Einige Kilometer hinter Gemünd ein kurzer, steiler Anstieg und wir haben das Gelände von Burg Vogelsang erreicht. Das dunkle Gestein wirkt im Nebel sehr gespenstig. Die Burg ist jedoch keine mittelalterliche Burganlage. Die Bezeichnung „Burg“ wurde von den Nationalsozialisten geprägt. Sie errichteten die weitläufige Anlage zwischen 1934 – 1941 als Schulungszentrum für den Führungsnachwuchs der nationalsozialistischen Partei. Heute ist dort das Informationszentrum des Nationalparks Eifel untergebracht. Von der Aussichtsterrasse des Forums hat man einen wunderbaren Blick auf die Urfttalsperre.

Das weitläufige Gelände, das wir anschließend bis kurz vor Einruhr durchwandern, wurde bis 2006 militärisch genutzt. Die Eifelsteigtrasse ist die einzige Möglichkeit das Gelände zu durchqueren. Überall entdecken wir Schilder „Durchgang verboten.“ In Einruhr folgen wir dem Schild „selbstgebackener Kuchen und Kaffee“ am Eingang zum Cafe „Alt-Einruhr.“ Dort trinke ich den scheußlichsten Kaffee meines Lebens. Den Abend verbringe ich mit Benjamin und Emma im Hotel Eifelgold Rooding in Simmerrath-Erkensruhr mit kulinarischem Verwöhnprogramm.

 

25. Etappe / Einruhr – Monschau / 17.04.2010

Heute beginnt die fünfte Woche meiner langen Reise rund um Deutschland. In der Nordeifel hat sich Nachfrost übers Land gelegt. Früh morgens sind die Fensterscheiben der parkenden Autos mit einer dicken Eisschicht überzogen. Es ist wolkenlos, ein sonniger Tag macht Wanderlaune.

Als ich mit meinem Sohn zum Frühstück erscheine stehen schon die Lunchpakete auf dem Tisch. Juul Caubo, der Chef des Hauses, hat uns Schokolade eingepackt. Echte Alpenvollmilch Schokolade, „Made in Saarland“ von „Ludwig Schokolade“ in Saarlouis. Gleich zu Beginn unserer Wanderung ein langer Anstieg. Hinter dem Anstieg eine sehr große Wiese mit zwei grasenden Eseln. Sie fühlen sich wohl durch Emma gestört. Einer der beiden jagt Emma mit lautem I-A-Gebrüll in die Flucht. Emma ist von dem galoppierten Esel so erschrocken, dass sie mit eingezogenem Schwanz das Weite sucht. Benjamin und ich können den Esel beruhigen und Emma findet wieder zu uns.

25. Etappe / Einruhr – Monschau / 17.04.2010

Der heutige Teilabschnitt von Einruhr nach Monschau ist eine der schönsten Etappen des Eifelsteigs, aber auch eine der anstrengendsten. Ständig wechselnde Landschaftsbilder, mal im Tal entlang eines Baches, mal auf den Höhen mit weiten Blicken ins Land, mal Waldpassagen, mal Feld- oder Wiesenwege, ein guter Mix. Wir nähern uns Monschau über einen kleinen geschlängelten Pfad am Waldrand. Großartig. Leider muss Benjamin abends zurück ins Saarland. Im Restaurant „Alte Herrlichkeit“ in Monschau lasse ich mich mit Emma verwöhnen.

 

26. Etappe / Monschau – Roetgen / 18.04.2010

26. Etappe / Monschau – Roetgen / 18.04.2010Am frühen Morgen ein Spaziergang durch die Altstadt von Monschau. Seit knapp dreihundert Jahren hat sich das sich im historischen Stadtkern so gut wie nicht verändert. Zauberhafte Fachwerkhäuser, prächtige Patrizierhäuser und interessante Fabrikgebäude der ehemaligen Tuchmacher. Die Tuchmacher haben Monschau im 18. Jahrhundert mit ihrem weltberühmten Monschauer Tuch bekannt und reich gemacht. Das Rote Haus, ein außergewöhnlich schönes Patrizierhaus des Tuchmachers Johann Heinrich Scheibler ist heute das Wahrzeichen Monschaus. Hier kann man die Geschichte und das Leben der ehemaligen Tuchmacher eindrucksvoll nachvollziehen.

26. Etappe / Monschau – Roetgen / 18.04.2010Mit Emma mache ich mich auf den Weg nach Roetgen. Die Geschichte dieser Wanderung ist schnell erzählt. Noch einmal müssen wir hinter Monschau bis auf 658 Meter steigen, die Wetterstation am Steling zeigt uns diese Höhenangabe. Hier befinden wir uns unmittelbar an der belgischen Grenze. Graue, unscheinbare Grenzsteine zeigen uns, dass wir mal auf belgischer Seite, mal auf deutscher Seite wandern. Die Wanderung durch den Parc Naturel auf belgischem Gebiet wird dann zum Alptraum eines jeden Wanderers. Kilometerlange, fast kerzengerade verlaufende Asphalttrassen lassen den Wanderspaßfaktor gegen Null sinken. Ein Wanderabschnitt auf dem Eifelsteig der eines Top-Trails nicht würdig ist. Die mir entgegenkommenden Wanderer vermitteln mir den Eindruck dass sie ähnliche Gedanken haben wie ich: Hoffentlich ist dieses Teilstück bald zu Ende. Roten Fahnen signalisieren außerdem, dass die kurze, naturbelassene Wegtrasse, in diesen Tagen nicht begehbar ist. So kann uns auch das berühmte Hochmoor mit seinen Moorbirken nicht wirklich in seinen Bann ziehen.

Auch für Emma keine angenehme Tour. Im Hohen Venn herrscht absoluter Leinenzwang. Der Grenzgang des heutigen Tages entlang der deutsch-belgischen Grenze endet über einen Asphaltweg Richtung Roetgen. Morgen geht es weiter nach Kornelimünster. Es kann nur besser werden.

 

27. Etappe / Roetgen – Kornelimünster / 19.04.2010

27. Etappe / Roetgen – Kornelimünster / 19.04.2010Das Landschaftsbild in Roetgen wird geprägt von Feld- Weiden- und Wiesennutzung. Zu Beginn entdecke ich ein Büschel Sauerampfer, den ich pflücke und genüsslich esse. Meine Gedanken schweifen zu Anne und Rüdiger im Hunsrück. Dort betreiben die beiden das Hotel-Restaurant Historische Schlossmühle. Im Frühling ist Anne täglich in den Wiesen, um frische Wiesenkräuter zu sammeln. Rüdiger fertigt daraus die beste Wiesenkräutersuppe der Welt. Die würde ich jetzt gerne essen. Rüdiger will irgendwann einige Tage mitwandern. Vielleicht bringt er mir eine kleine Portion mit. Ich durchstreife mit Emma einige Waldpassagen, ehe wir im Naturschutzgebiet des Struffelt die Heide- und Moorlandschaft durchqueren. Undurchsichtige Nebelfelder wabbern übers Moor. Es ist totenstill. Die Sicht beträgt keine 50 Meter. Emma ist aufmerksam wenn sie mit leisen Pfoten über die Holzstege tastet. Nur das Tock, Tock meiner Wanderschuhe ist auf dem Holz zu hören. Eine außergewöhnliche Stimmung herrscht auf dem Struffelt. Die Luft ist kalt und feucht.

27. Etappe / Roetgen – Kornelimünster / 19.04.2010Anschließend, Richtung Kornelimünster geht’s fast nur noch bergab. Kurz davor erlebe ich dann erstmals den Frühling. Die Buchen tragen junges Grün, einige Wacholderbüsche zeigen ihr weißes Frühlingskleid und in den Vorgärten der Häuser blühen die Narzissen. Endlich bin ich mit Emma im Frühling angekommen. Am alten Marktplatz in Kornelimünster beginnt der Eifelsteig von Aachen nach Trier. Für mich und Emma endet er hier. Einige Wanderer machen sich am Startpunkt gerade auf den Weg. Es bleibt Zeit für einen kleinen Plausch und ein Erinnerungsfoto. Wir haben den Eifelsteig von Trier bis Kornelimünster erwandert, 330 Kilometer quer von Süd nach Nord durch die Eifel.

 

28. Etappe / Kornelimünster – Aachen / 20.04.2010

28. Etappe / Kornelimünster – Aachen / 20.04.2010Kaiserwetter auf dem Weg von Kornelimünster in die Kaiserstadt Aachen. Vom Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ über das Weltkulturerbe „Das Römische Trier“ zum Weltkulturerbe „Aachener Dom.“ Der Aachener Dom, wurde 1978 als erstes deutsches Bauwerk in die Liste der UNESCO aufgenommen. Beim Start der heutigen Wanderung in Kornelimünster auf dem Korneliusmarkt knüpft Emma soziale Hundekontakte.

28. Etappe / Kornelimünster – Aachen / 20.04.2010Der Ursprung des Aachener Stadtteils geht auf die Zeit um Christi Geburt zurück. Das historische Ortsbild ist bis in die heutige Zeit beinahe völlig erhalten geblieben. Fast an jedem Haus entdecke ich ein kleines Schild: Denkmal. Mit Emma an der Leine mache ich mich auf in die Kaiserstadt. Da der Wanderer am Ende des Eifelsteigs am Korneliusmarkt keine weiteren Informationen erhält, wie er nach Aachen gelangt, mache ich mich mit Karte auf den Weg. Wir suchen unseren eigenen Weg. Irgendwann unterwegs entscheide ich mich dem Zeichen der Jakobspilger zu folgen. Eine gute Wahl. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Kaiserdom Karls des Großen. Im Schatten des Doms als kleine Belohnung für inzwischen 555 Kilometer von Völklingen nach Aachen: Einen Milchkaffee und ein Stück Erdbeertorte mit Sahne. Morgen werde ich die Stadt mit einer Stadtführerin erkunden.

 

Aachen für Touristen / 21.04.2010

Am Elisenbrunnen, ein Säulenbau den 1822 Friedrich Schinkel entwarf, treffe ich meine Stadtführerin Nathalie Rath. Sie sagt von sich selbst, dass sie Aachner Urgestein sei. Im Säulenbau des Elisenbrunnens fließt aus zwei Thermaltrinkbrunnen 59 Grad heißes Wasser. Es schmeckt nach Salz und Schwefel. Königinnen und Könige waren hier, Prinzessinnen und Thronfolger aus ganz Europa. Selbst Casanova suchte hier Heilung. Und jetzt stehe ich hier mit Emma, die das Wasser verweigert. Ich kann’s verstehen. Der Rundgang durch das historische Aachen dauert eineinhalb Stunden. Viele Brunnen sind in der Stadt zu bewundern. In der Krämerstraße, der ältesten Händlerstraße der Stadt, sprudelt das Wasser im Puppenbrunnen mit seinen beweglichen Puppen. Die Figuren erzählen dem Betrachter die Geschichte der Stadt.

Aachen für Touristen / 21.04.2010

Das Weltkulturerbe „Aachener Dom“, die ehemalige Pfalzkapelle Karls des Großen, überragt alles. Die 32 Meter hohe Kuppel, der Barbarossaleuchter aus dem Jahr 1180 sowie der legendäre Thron Karls des Großen sind absolute Highlights der Rundtour. Dazu das historische Rathaus und das Couven-Museum, das wohl „bekannteste Wohnzimmer“ Aachens. Mit einer Rekonstruktion der Adler-Apotheke beherbergt das Museum die Anfänge der Süßwarenproduktion Aachens.

Oberhalb des Büchel, Ecke Körbergasse begrüßt ein freundliches Mädchen, eine Bronzefigur mit einer übergroßen Printe, die Besucher. Sie steht direkt vor der Alt Aachener Kaffeestube „Leo van den Daele“, der Wiege der Aachener Printenherstellung. Morgen werde ich gemeinsam mit Emma eine Printen-Exkursion unternehmen. Aachen hat viele verschiedene Sorten zu bieten. Ich freue mich darauf.

 

Aachen für Touristen / 22.04.2010

Den Printen auf der Spur

Aachen für Touristen / 22.04.2010Es gibt kaum eine Gasse in Aachen in der keine Printen angeboten und verkauft werden. Deshalb habe ich mich an meinem zweiten Wanderruhetag auf den Weg gemacht, das Besondere an dieser Aachener Spezialität zu erkunden.

Tatjana Kaiser vom Printenhaus Alois Roderburg erzählt mir, dass die Printenrezepturen bereits im 1700 Jahrhundert von Kupferschlägern aus Dinant in Belgien mit nach Aachen gebracht wurden. Ursprünglich wurde Rohrzucker zur Produktion verwendet, später Zucker von Zuckerrüben. Die Printe besteht zu 60 – 70 Prozent aus Zucker. Hinzu kommen Gewürze wie Zimt, Kardamon, Koriander und Anis. Dazu je nach Hersteller weitere spezielle Ingredienzien. Printen wurden und werden auch heute von den Pilgern als Pilgerbrot im Rucksack verstaut. Die Printe ist sozusagen der Müsliriegel vergangener Tage. Ich werde jedenfalls für die nächsten Tage einige als Proviant mitnehmen. Die kleinen, mit drei Mandeln versehenen Printen, werden in Aachen auch Mandelmöppchen genant. Passt ja auch ganz gut zu mir. Beim durchstreifen der Stadt entdecke ich auch Printen-Canduccinis mit Pinienkernen. Sie schmecken köstlich.

Aachen für Touristen / 22.04.2010

Die älteste Printenbäckerei gründete Leo van den Daele aus dem belgischen Gent. 1890 eröffnete er eine Konditorei in Aachen. Seine Rezepturen und kunstvollen Printen wurden über die Stadtmauern Aachens bekannt. Die Bürger der Stadt bezeichneten ihn als „Printenbaron.“ Noch heute werden die Printen nach diesen alten Rezepturen hergestellt und in Aachens berühmtestem Café verkauft.

 

29. Etappe / Aachen – Meerssen / 23.04.2010

29. Etappe / Aachen – Meerssen / 23.04.2010In einer kleinen Buchhandlung in Aachen habe ich an meinen wanderfreien Tagen ein Buch entdeckt: „Jakobswege – Wege der Jakobspilger zwischen Rhein und Maas.“ Darin ist der Weg von Aachen nach Kranenburg entlang der Maas beschrieben. Ich entschließe mich spontan meinen geplanten Weg nach Emmerich am Rhein zu ändern und werde nun die nächsten acht Tage auf den Spuren der Jakobspilger Richtung Norden wandern.

29. Etappe / Aachen – Meerssen / 23.04.2010An der Taufkapelle des Aachener Doms am Fischmarkt weist eine Jakobsmuschel am äußeren Mauerwerk auf den Start der Wanderung hin. Zwar ist die Luft noch kalt, aber der wolkenfreie Himmel deutet auf einen sonnigen Tag. Über die Rennbahn verlasse ich am frühen Morgen Aachen, um 32 Kilometer nach Meerssen zu wandern. Die Stadt liegt bald hinter uns und das sanfte, wellige Hügelland von Limburg in Holland haben wir schnell erreicht. Große Weideflächen für Pferde und Kühe, Spargelfelder und Obstplantagen streifen und durchstreifen wir an diesem Tag. Emma ist anfangs außer Rand und Band. Sie scheint sich zu freuen, dass es endlich weitergeht. Müde aber glücklich erreichen wir am Nachmittag Meerssen. Von einem freundlichen Postboten erhalte ich einen guten Tipp: Die Herberge von Gerd en Debra Grootenboer in der Volderstraat 31 in Meersen. Nach einem guten Essen erleben wir einen traumhaften Sonnenuntergang in Meersen und gehen danach früh zu Bett.

 

30. Etappe / Meerssen – Sittard / 24.04.2010

30. Etappe / Meerssen – Sittard / 24.04.2010Kaum habe ich mit Emma Meerssen durchwandert, hören wir an allen Ecken Tierstimmen. Hier blöcken einige Schafe, dort kräht ein Hahn. Um die nächste Ecke meckern Ziegen, wiehern Pferde und gackern die Hühner. Emma ist unruhig ob der vielen Stimmen. Beim plötzlichen Gebrüll mehrerer Kühe erschrickt sie fürchterlich. Kaum habe ich sie beruhigt hören wir die nächste Stimme, ein Pfau versucht mit spitzem Schrei auf sich aufmerksam zumachen und zeigt uns sein prächtiges Federkleid. Dazwischen krähen immer wieder einige Raben, gurren die Tauben und einige Eichelhäher machen sich mit Geschrei davon. Wir wandern durch eine ländliche Idylle in Südlimburg in Holland.

30. Etappe / Meerssen – Sittard / 24.04.2010Irgendwann verliert sich die Spur des Jakobsweges. Ich habe mir gestern in einer kleinen Buchhandlung in Meerssen vorsorglich eine regionale Wanderkarte besorgt. Aus Erfahrung wird man klug. Die Wanderkarte hilft uns den Weg nach Sittard zu finden. Zwischendurch sehen wir unsere erste Windmühle und erleben überall freundliche Menschen. Hier werden auch Fremde gegrüßt. Mit einem kurzen „Hei“ oder „Morje“ (klingt wie im Saarland) begegnet man einander.

Kurz vor Sittard erhalte ich von zwei liebenswerten älteren Damen den Hinweis auf eine „Bed und Breakfast“ – Unterkunft in der Paardestraat in Sittard. Wir finden sie auf Anhieb und verbringen dort im Dreiländereck Holland, Deutschland, Belgien unsere Nacht.

 

31. Etappe / Sittard – Maaseik / 25.04.2010

31. Etappe / Sittard – Maaseik / 25.04.2010„Tief im Westen,
wo die Sonne verstaubt!
Ist es besser, viel besser, als man glaubt!
Tief im Westen,
Tief im Westen.

So beginnt der Song von Herbert Grönemeyer, Grönemeyers Huldigung an seine Heimatstadt Bochum. Tief im Westen ist allerdings noch lange nicht Bochum, es geht noch weiter, viel weiter tief in den Wesen. Ich habe mich heute aufgemacht, den westlichsten Zipfel Deutschlands zu finden. In Selfkant, direkt an der holländischen Grenze zwischen den niederländischen Städten Susteren und Sittard befindet sich der Ortsteil Isenbruch.

Dort an der Kreisstraße K1 direkt nördlich vom Haus Groevenkamp steht etwas versteckt zwischen Fahrstraße und Feldweg ein Stein, der den westlichen Punkt der Bundesrepublik Deutschland markiert.

31. Etappe / Sittard – Maaseik / 25.04.2010Auf dem Weg dort hin treffe ich Jelle Peters, ein Grenzgänger, zwischen Holland und Deutschland. Wenn du über die Wiesen und Wege gehst, erzählt er mir, weist du nie so ganz genau wo du gerade bist. Die Grenze ist Geschichte. Er lädt mich spontan zu einem Kaffee in sein Haus ein und erzählt mir Grenzgeschichten seiner Heimat. Irgendwann wird er auch einmal seinen Rucksack packen und losziehen, verspricht er mir beim Abschied. Von Sittard in Holland über Isenbruch und Millen in Deutschland, und weiter über Holtum und Dieteren in Holland, überquere ich nachmittags mit Emma die Maas und übernachte in Maaseik in Belgien.

 

32. Etappe / Maaseik – Roermond / 26.04.2010

Im ehemaligen Leeuwerikhof in Maaseik, direkt an der Maas, habe ich mich mit Emma von der Wanderung durchs Dreiländereck gut erholt. Ein guter Tipp von Sylvie Schrijvers, die ich im Tourismusbüro von Maaseik nach einer Unterkunft gefragt hatte.

Als ich mit Emma loswandere spielt sie voll Übermut mit einer alten Nuss, wirft sie in die Höhe, läuft kreuz und quer über den Weg als wolle sie mir sagen, endlich geht es weiter. Entlang der Maas kommen wir gut voran. Als die Autonummern vorwiegend holländische Kennzeichen tragen haben wir Belgien wieder verlassen ohne es zu merken. Es wird eine Wanderung entlang des Wassers, mal die Maas, mal der Kanal, mal das Naturschutzgebiet der Polderveld. Es sieht aus wie eine riesige Seenplatte. Wir müssen über kleine Brücken, Stege, Schleusen und wieder über Brücken. Ein Wegelabyrinth, das man nur mit gutem Kartenmaterial durchwandern kann.

32. Etappe / Maaseik – Roermond / 26.04.2010

Die Mittagspause verbringt Emma in Wessem mit einem jungen Hund. Über eine halbe Stunde toben die beiden über eine Rasenfläche. Es wird sich noch rächen. Wir müssen weiter. In den Vorstadtstraßen von Roermond schwächelt Emma und legt sich auf den Bürgersteig. Sofort stoppt eine besorgte Holländerin ihren Wagen, um zu fragen was passiert sei. Emma ist platt. Ihr Sohn bringt uns mit ihrem Wagen zu einem nahe gelegenen Hotel. Aber die junge Frau will keinen Hund aufnehmen. Emma legt sich vor den Tresen des Cafes und rührt sich nicht mehr. Mitleid mit Emma und die Fürsprache des Kollegen Dennis, mit dem ich abends an der Theke noch ein Bier trinke, veranlassen die junge Frau uns doch ein Zimmer zur Verfügung zu stellen.

 

33. Etappe / Roermond – Venlo / 27.04.2010

33. Etappe / Roermond – Venlo / 27.04.2010Irgendwann hat sich die Spur des Jakobsweges verloren. Irgendwann taucht dann die Beschilderung wieder auf. So ist es auch heute wieder auf der Wanderung von Roermond nach Venlo. Ich habe mittlerweile einen Spürsinn entwickelt, wo sich Wanderwege ohne asphaltierten Untergrund befinden könnten. Als weitere Hilfe ist selbstverständlich gutes Kartenmaterial wichtig und das Nachfragen, wenn mir Wanderer oder Spaziergänger begegnen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Steyl direkt an der Maas. Hier liegen die Wurzeln der drei Steyler Ordensgemeinschaften. Gründer der Ordensgemeinschaft ist Arnold Janssen aus Goch am Niederrhein, der 1875 an der Maas die Gemeinschaft der Steyler Missionare gründete. Von Steyl 33. Etappe / Roermond – Venlo / 27.04.2010aus wurden und werden Missionare und Missionarinnen in alle fünf Kontinente gesendet. Die weltweite Steyler Ordensgemeinschaft zähle heute etwa zehntausend Mitglieder aus 70 Nationen. Das Klosterdorf wurde 2008 unter nationalen Denkmalschutz gestellt.

Entlang der Maas, vorbei an ausgedehnten Weidegebieten und Wiesen, in denen tausende von Löwenzahnblüten goldgelb leuchten erreichen wir Venlo. Hektische Betriebsamkeit, Baustellenlärm und intensiver Autoverkehr nerven Emma und mich. Am liebsten würden wir zurück in die weiten Wiesen und Felder an der Maas. Die Tourist Info vermittelt eine optimale, in einer ruhigen Seitengasse gelegenen Bed & Breakfast Station bei Jan und Sandra, Helbeek 8.

 

34. Etappe / Venlo – Straelen / 28.04.2010

34. Etappe / Venlo – Straelen / 28.04.2010Abschied von Jan und Sandra, Helbeek 8 und ihrer bemerkenswerten Bed & Breakfast Unterkunft. Wer nach Venlo kommt sollte unbedingt bei diesen sympathischen Holländern ein Zimmer buchen. Abschied nehmen heißt es heute auch von der Maas. Gleich hinter Venlo kann Emma zum letzten Mal das Wasser der Maas trinken. Abschied nehmen auch zunächst einmal von Holland. Nächste Woche werde ich über den Noaberpad wieder nach Holland zurückkehren. Hinter Venlo komme ich mit Emma an einer kleinen Kapelle vorbei. Während sie meinen Rucksack bewacht, erneuere ich meine Bitte für gutes Wetter mit zwei Kerzen. Unsere Mittagsrast bei warmen Temperaturen findet irgendwo an oder auf der Grenze zwischen Holland und Deutschland statt. Wie jeden Tag seit Aachen, endet unsere Rast mit einem Energieriegel aus alten Zeiten, ein Mandelmöppchen bringt uns wieder auf Touren. Emma bekommt auch einige Krümel ab. Während der Wanderung nach Straelen erreichen wir die Straße „Grenzweg.“ Wo genau die Grenze verläuft kann man nicht einmal ahnen.

34. Etappe / Venlo – Straelen / 28.04.2010

 

35. Etappe / Straelen – Kevelaer / 29.04.2010

35. Etappe / Straelen – Kevelaer / 29.04.2010Straelen verlasse ich mit Emma am frühen Morgen, da schwül-warme Temperaturen am Niederrhein angesagt sind. Wir passieren große Spargelfelder und riesige Gärtnereien. Das ehemalige Heidedorf Walbeck, gilt unter Kennern als das Mekka der Spargelfreunde. Der tiefgründige, durchlässige Boden mit hohem Kalkanteil und einem Grundwasserstand von unter einem Meter bietet optimale Bedingungen. Ganze Heerscharen kommen in der Spargelzeit in diese Gegend am Niederrhein, um das „weiße Gold“ zu genießen. Die Spargelerntehelfer, können sich mit der deutschen Sprache nicht verständigen. Ein Foto darf ich trotzdem machen. Unterwegs begegne ich einem jungen Mann, der mit Beagle durch den Wald spaziert. Er lebt im Heidedorf Lüllingen kommt aber eigentlich aus Berlin, was seine Sprache sofort verrät. Kurz vor Twisteden kommen mir Charlie und Heidi mit ihrem Hund entgegen. 35. Etappe / Straelen – Kevelaer / 29.04.2010Beide hat es vor sieben Jahren von Düsseldorf nach Kevelaer verschlagen. Im Eiscafe Misurina in Kevelaer erkenne ich an der Sprache der Chefin, dass sie aus dem Hessischen stammt, aus Darmstadt. Aber das ist eine längere Geschichte, genau wie die von Charlie und Heidi und die des jungen Mannes aus Berlin.

In den Devotionaliengeschäften in Kevelaer wird letzte Hand angelegt. Die verstaubten Figuren, Kerzen und Rosenkränze in allen Variationen werden auf Hochglanz poliert. In den vielen Geschäften, vor allem in der Busmannstraße und der Maasstraße findet jeder Pilger sein passendes Stück. An den schwarz gefärbten Kerzenschreinen am Markt vor der Kirche brennen und flackern die ersten Kerzen. Noch ist Pilgervorsaison. Die Wallfahrtsperiode beginnt am 1. Mai und dauert bis 1. November. Bischof Felix Genn aus Münster wird die Pilgersaison am Samstag um zehn Uhr mit drei symbolischen Hammerschlägen aufs Bronzetor der Basilika offiziell eröffnen. Ich schlage mich mit Emma weiter Richtung Norden. Wenn alles gut geht sind wir in zwei Tagen am Rhein.

 

36. Etappe / Kevelaer – Goch / 30.04.2010

36. Etappe / Kevelaer – Goch / 30.04.2010Um 8.08 Uhr stehe ich mit Emma am Bahnhof in Kevelaer, um einen lieben Freund abzuholen. Ulrich Grober lernte ich vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung im Saarland kennen. Seitdem stehen wir in regelmäßigem Kontakt. Ulrich wohnt in Marl und hat sich heute bereits um 5.00 Uhr in der Frühe mit Bus und Bahn auf den Weg zum Niederrhein gemacht. Freudestrahlend hält er die aktuelle Süddeutsche Zeitung in Händen. Auf der Liste der besten Sachbücher des Monats Mai ist sein vor wenigen Wochen erschienenes Buch „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs“ auf Platz 2 gesetzt.

In der Nacht haben kräftige Gewitterschauer die Temperaturen deutlich nach unten sinken lassen. Mit kräftigem Wind im Rücken wandern wir entlang des Nierswanderweges Richtung Weeze. Träge und lautlos fließt das Wasser entlang des Weges. Ulrich hört an diesem Morgen den ersten Kuckuckschrei des Jahres. Das Blätterwerk des Buchenwaldes, den wir tangieren, ist in helles Grün getaucht. Wir haben uns viel zu erzählen. 36. Etappe / Kevelaer – Goch / 30.04.2010Emma vertreibt sich die Zeit mit Stöckchensuchen und Intervallläufen über die Felder. Nach einer kurzen Rast in Weeze wandern wir über die Herrensitz-Route nach Goch. Auf dem Marktplatz räumen die letzten Landwirte ihre Stände zusammen. Wir ergattern noch ein frisches Bündel Radieschen, das wir auf der Stelle verputzen. Um 14.30 Uhr sitzt Ulrich bereits wieder im Zug Richtung Köln. Morgen hat er ein einstündiges Live-Interview auf WDR3. Er hat versprochen während meiner Deutschlandumrundung wieder zu kommen. Ich freue mich drauf.

nach oben

 
made by Werbeagentur Hoffmann