206. Etappe: Blieskastel – Medelsheim

[14.11.2010]



Das einsame, alleinstehende Haus an der Grenze zwischen Peppenkum in Deutschland und dem französischen Guiderkirch im Tal der Bickenalb trägt die Hausnummer 9 und 9a in der Güderkircher Straße. In seiner 70jährigen Geschichte war es Zollamt, Altersheim, Kriegslazarett, Haus mit Notwohnungen, Privat-Sanatorium, saarländisches Grenzhaus, Ferienwohnheim und Mietshaus. Als junger Radsportler habe ich viele Trainingstouren im Bliesgau absolviert. Oft kam ich hier an der Zollstation vorbei. Bei schönem Wetter standen die Zollbeamten meistens vor der Tür, bei schlechtem Wetter sah man sie hinter den Scheiben sitzen.

Eine kurze Handbewegung des Zöllners bedeutete, dass man weiter fahren konnte. Den Ausweis mussten wir bei solchen Ausfahrten immer in der mitführen. Allerdings sind wir nur selten kontrolliert worden. Rechts vom Zollhaus wehte die Fahne der Bundesrepublik Deutschland, links vom Zollhaus standen die Schlagbäume meist senkrecht nach oben.

Vor einigen Jahren hat Ulrike Lupa das Anwesen gekauft und bietet im Grenzgebiet Reitunterricht und Ausritte an. Im alten, ehemaligen Zollgebäude, hat sie eine Ferienwohnung eingerichtet. Im oberen Teil des Gebäudes befinden sich Wohnzimmer und Küche. Dort wo früher die Zollbeamten ihren Dienst versahen, sitzt man jetzt gemütlich auf der roten Couch und schaut durch die großen Fenster ins Grüne. Über eine Treppe gelangt man zum Schlafzimmer nach unten. Neben dem ehemaligen Waffenschrank der Zollbeamten ist das Bad eingerichtet.

Auf meiner nun fast acht Monate dauenden Deutschlandumrundung habe ich viel an der Grenze erlebt und erfahren. Nun kann ich drei Tage vor dem Ende meiner Wanderung in einem ehemaligen Zollhaus übernachten. Großartig. Ulrike Lupa händigt uns die Schlüssel aus, erklärt einige Besonderheiten der Wohnung ist auch schon wieder weg. Die Betten sind schnell verteilt, Horst schläft im unteren Teil des Hauses und ich mit Emma im oberen Teil.

Ach ja, gewandert sind wir heute auch. Von Blieskastel über die Trasse des gut ausgeschilderten Saarland-Rundwanderweges nach Medelsheim. Der Höheweg durch den Bliesgau eröffnet bei traumhaften Frühlingstemperaturen ungeahnte Fernblicke bis zu den Vogesen. In der alten Kulturlandschaft zwischen dem Saarland und Lothringen fühle ich mich zu Hause. Hier habe ich viele Radtouren unternommen, hier bin ich unzählige Male gewandert. Vertrautes, stilles Land im Grenzgebiet. Kurz vor Medelsheim greife ich zum Handy. In der Zollstraße wohnen seit vielen Jahren Freunde von mir: Gabi und Karl-Heinz. Sie haben ein Bauernhaus liebevoll restauriert und lieben das Leben auf dem Land. Als wir ihr Haus erreichen dringen wohlvertraute Küchendüfte zur Tür. Minuten später sitzen wir am warmen

Kachelofen und füllen die Teller mit Kartoffelklößen, Rotkraut und Gulasch. Dazu gibt`s Bier aus der Flasche. Danke Gabi und Karl-Heinz für den heimatlichen Empfang.

Endlich wird wieder intensiv Mundart geschwätzt.

 
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